Eine Grafik verbreitet sich auf Facebook

Wie kann man die Ver­brei­tung eines Ein­trags bei Face­book erhö­hen? Die­se Fra­ge stel­len sich vie­le Online-Redak­tio­nen, die pro­fes­sio­nell auf Face­book arbei­ten. Wir reden hier über sich selbst auf­bau­en­de Reich­wei­te, eben über die beson­de­re Dyna­mik der Ver­brei­tungs­me­cha­nis­men sozia­ler Netz­wer­ke: Freund erzählt Freun­din erzählt Freund erzählt.

Es gibt bei der inhalt­li­chen Gestal­tung eines Ein­trags unter­schied­li­che Tech­ni­ken, rhe­to­ri­scher und gestal­te­ri­scher Natur, um eine lawi­nen­ar­ti­ge Ver­brei­tung aus­zu­lö­sen oder zumin­dest wird ver­sucht, die­se wahr­schein­li­cher zu machen. Eine letz­te Sicher­heit gibt es nicht, denn man kann nicht vor­her­sa­gen, ob ein Bei­trag wirk­lich zün­det.

Wie es funk­tio­nie­ren kann, in klei­nem Maß­stab, und was genau pas­siert, das kön­nen wir an die­sem Bei­spiel für die Face­book­sei­te der SPD Baden-Würt­tem­berg zei­gen.
„Eine Gra­fik ver­brei­tet sich auf Face­book“ wei­ter­le­sen

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Xing Stuttgart: Das Netzwerk der Reingeschmeckten

Jeder zehn­te Stutt­gar­ter ist bereits bei der Inter­net­platt­form Xing regis­triert, um pri­va­te und beruf­li­che Kon­tak­te zu pfle­gen.

 Die Mög­lich­keit, ein eige­nes Netz­werk aus per­sön­li­chen Kon­tak­ten zu erstel­len und nutz­bar zu machen, ist das Erfolgs­kon­zept des Web­ser­vice Xing. Bei den dort anzu­tref­fen­den Stutt­gar­ter Grup­pen ste­hen geschäft­li­che Inter­es­sen nicht unbe­dingt im Vor­der­grund.

Die Stutt­gar­ter waren schon immer beson­ders aktiv,“ sagt Danie­la Hin­richs, Pres­se­spre­che­rin von Xing. Jeder zehn­te Ein­woh­ner der Lan­des­haupt­stadt sei bereits regis­trier­tes Mit­glied bei der Netz­werk­platt­form und jeden Tag kom­men 50 bis 100 neue hin­zu. Sehr beliebt bei Xing sind die Grup­pen­funk­tio­nen. Regis­trier­te Nut­zer kön­nen fast zu jedem The­ma eine grün­den oder den bestehen­den 8.000 Grup­pen bei­tre­ten. Wer sich in die Grup­pen­lis­te ein­trägt, kann an Dis­kus­sio­nen zum jewei­li­gen The­ma teil­neh­men. Außer­dem wer­den Rund­schrei­ben per E-Mail an die Mit­glie­der ver­sen­det und Ter­mi­ne orga­ni­siert wer­den. Allein mit Stutt­gar­ter Bezug gibt es über ein Dut­zend Grup­pen, die sich teil­wei­se regel­mä­ßig zu per­sön­li­chen Tref­fen zusam­men­fin­den.

Die größ­te nennt sich Stutt­gart­BC, fei­er­te jüngst ihren drit­ten Geburts­tag und hat über 5.000 Mit­glie­der. Etwa 150 kom­men zu den ein­mal im Monat in der Rosen­au statt­fin­den­den Tref­fen, „haupt­säch­lich Rein­ge­schmeck­te, Schwa­ben eher weni­ger“ sagt Micha­el Schom­mer, einer der Mode­ra­to­ren. Wer aller­dings annimmt, er kön­ne die­se Tref­fen sofort mit gefüll­ten Auf­trags­bü­chern ver­las­sen, der irre gewal­tig. Zwar wer­den flei­ßig Visi­ten­kar­ten aus­ge­tauscht und die Teil­neh­mer haben alle Anten­nen auf Emp­fang gestellt, aber die Tref­fen, auf denen sich Neu­lin­ge in einem Kurz­vor­trag vor­stel­len kön­nen, sind eher locker und unver­bind­lich. Netz­wer­ke wir­ken eben höchs­tens lang­fris­tig, fast zufäl­lig. Man lernt sich ken­nen und schät­zen und wenn man die Kom­pe­ten­zen des ande­ren braucht, wird dar­auf zurück­ge­grif­fen. „Ich habe hier schon Leu­te ken­nen­ge­lernt, die spä­ter zu Kun­den wur­den,“ sagt Oli­ver Gas­s­ner aus Vai­hin­gen an der Enz, der Unter­neh­men bei Inter­net­ak­ti­vi­tä­ten berät. Gas­s­ner schätzt beson­ders die Funk­ti­on der dyna­mi­schen Adress­ver­wal­tung. „Man ver­gisst manch­mal Kon­tak­te. Bei Xing bleibt die erhal­ten und sind immer aktu­ell, denn jeder hat ein Inter­es­se, sei­ne Pro­fil­in­for­ma­tio­nen selbst zu pfle­gen.“ So hat sich Xing zum Tum­mel­platz von selbst­stän­di­gen Anbie­tern unter­neh­mens­na­her Dienst­leis­tun­gen und Frei­be­ruf­lern ent­wi­ckelt. Denn mit einer regen Akti­vi­tät in den Grup­pen kann man sich pro­fes­sio­nell pro­fi­lie­ren und für Ent­schei­der und Per­so­na­ler inter­es­sant machen.

 Eher per­sön­li­che Inter­es­sen ver­fol­gen die Ange­stell­ten, die etwa die ande­re Hälf­te der Mit­glie­der aus­ma­chen. Bei Emel Özbek, die bei der Daim­ler AG im Online­be­reich tätig ist, liegt das Inter­es­se klar im pri­va­ten Bereich. Vor sechs Jah­ren ist die in Nord­deutsch­land gebo­re­ne Diplom­kauf­frau nach Stutt­gart gezo­gen und ist in der Grup­pe „Stutt­gart Deutsch-Tür­ki­sche Com­mu­ni­ty“ aktiv. Die über 1.000 Mit­glie­der ver­bin­det nicht nur der Wohn­ort son­dern auch das Inter­es­se an der tür­ki­schen Kul­tur. „Wir sind eine Gemein­schaft für die drit­te Gene­ra­ti­on,“ sagt Özbek und meint damit meist bes­tens aus­ge­bil­de­te und inte­grier­te Mit­bür­ger mit tür­ki­schen Wur­zeln. Man tauscht sich aus, unter­stützt sich gegen­sei­tig und orga­ni­siert gemein­sa­me Unter­neh­mun­gen meist kul­tu­rel­ler Art mit Bezug zur Tür­kei. Poli­tik wird eher gemie­den. „Das pola­ri­siert zu sehr,“ meint Özbek, die von den Mög­lich­kei­ten der Platt­form schwärmt, unkom­pli­ziert Gleich­ge­sinn­te zu wel­chem The­ma auch immer zu fin­den.

 Auch für Tom Eich, Pro­ku­rist bei der LBBW, und sei­ne Mit­strei­ter der Grup­pe „Stutt­gart Con­nec­tion“ steht der geschäft­li­che Nut­zen nicht im Vor­der­grund. Deren über 2.000 Mit­glie­der haben sich ganz dem sozia­len Enga­ge­ment ver­schrie­ben. „Es gibt so vie­le Leu­te, die sich ger­ne mehr gesell­schaft­lich enga­gie­ren möch­ten, die aber kei­nen Ansatz­punkt fin­den. Den ver­su­chen wir zu orga­ni­sie­ren und dafür ist Xing ein­fach per­fekt,“ sagt Eich. Um auch recht­lich auf der siche­ren Sei­te zu sein, befin­det sich ein Ver­ein in Grün­dung, über den Spen­den gesam­melt wer­den sol­len, für das Olgä­le bei­spiels­wei­se.

 Alles gut also in der schö­nen neu­en Netz­werk­welt? Nicht ganz, denn wie im rea­len Leben gibt es auch hier Gren­zen, Tabus und manch­mal Ner­ve­rei. Streng unter­sagt sind plum­pe Wer­be­mails und Bet­tel­brie­fe sind nicht gern gese­hen. Die­se Beläs­ti­gun­gen hal­ten sich also in Gren­zen. Aller­dings geht es manch­mal in den Foren recht rup­pig zur Sache, bis hin zu per­sön­li­chen Belei­di­gun­gen, ein Phä­no­men, dass aller­dings vie­le offe­ne Dis­kus­si­ons­sys­te­me im Inter­net bekla­gen. Die Offen­le­gung der teil­wei­se sehr per­sön­li­chen Daten ist eben­falls etwas gewöh­nungs­be­dürf­tig. Die Tat­sa­che, dass die Daten nur frei­ge­schal­te­ten Mit­glie­dern zugäng­lich sind, schützt vor Miss­brauch. Nega­ti­ve Erfah­run­gen hat auch Ange­li­ka von Huba­ti­us noch kei­ne gemacht, im Gegen­teil, die Trai­ne­rin schwört auf Xing, wie vie­le ihrer Kol­le­gen aus dem Bil­dungs­be­reich. Seit zwei Jah­ren sam­melt sie eif­rig Kon­tak­te, aktu­ell sind es 143, und kann nun ihre Semi­nar­an­ge­bo­te gezielt ver­mark­ten. Das Enga­ge­ment geht aber dar­über hin­aus. „Ich will beruf­lich wie pri­vat den Aus­tausch mit net­ten Men­schen pfle­gen.“ Offen­bar fin­det man die eher im Inter­net als im urba­nen All­tag.

Über das glo­ba­le Netz­werk Xing

 Über vier Mil­lio­nen regis­trier­te Mit­glie­der welt­weit hat die Inter­net­platt­form Xing, 40 Pro­zent davon aus Deutsch­land. 2003 als Open Busi­ness Club gegrün­det ist das Unter­neh­men mit Sitz in Ham­burg eines der größ­ten sei­ner Art. Mit dem Bör­sen­gang 2006 wur­de der Name in Xing geän­dert und die inter­na­tio­na­len Akti­vi­tä­ten aus­ge­wei­tet. Inzwi­schen beschäf­tigt Xing etwa 120 Mit­ar­bei­ter an meh­re­ren Stand­or­ten im In- und Aus­land. Xing ver­steht sich als Platt­form zum Auf­bau eines per­sön­li­chen Netz­werks. Damit ist die Pfle­ge von Kon­tak­ten zu Bekann­ten gemeint, die einem pri­vat oder beruf­lich ver­bun­den sind. Dazu erstellt man nach der kos­ten­lo­sen Regis­trie­rung zunächst sein per­sön­li­ches Pro­fil. Das besteht aus den Kon­takt­da­ten, einem Foto, dem Lebens­lauf und der Nen­nung des­sen, was man sucht und was man anbie­tet. Durch aus­ge­feil­te Funk­tio­nen kann man die Daten ande­rer Mit­glie­der durch­su­chen und so aktu­el­le oder poten­zi­el­le Geschäfts­part­ner sowie alte und neue Bekann­te fin­den und anspre­chen. Die Nut­zer sind in der Mehr­zahl zwi­schen 25 und 55 Jah­re alt und haben einen aka­de­mi­schem Bíl­dungs­hin­ter­grund. Haupt­ein­nah­me­quel­le von Xing ist eine kos­ten­pflich­ti­ge Mit­glied­schaft, die etwa 10 Pro­zent der Nut­zer abon­niert haben. Für monat­lich sechs Euro kann man dann beson­de­re Funk­tio­nen nut­zen.

[Der Arti­kel ist am 2. Janu­ar 2008 in der STUTTGARTER ZEITUNG erschie­nen]

Xing Stuttgart: Das Netzwerk der Reingeschmeckten