Lebendige Dokumente einer kindlichen Parallelwelt

Die Viel­falt der Kin­der­spiel­stadt Stu­ten­gar­ten wird in einer Aus­stel­lung im Theo­dor-Heuss-Haus deut­lich

Über 1.000 Kin­der waren in die­sem Som­mer wie­der Teil­neh­mer der Kin­der­spiel­stadt Stu­ten­gar­ten. Aus­ge­stat­tet mit allen Insti­tu­tio­nen und Funk­tio­nen wur­de das Abbild einer moder­nen Groß­stadt geschaf­fen, wie man jetzt in einer leben­di­gen Aus­stel­lung erfah­ren kann.

Im Theo­dor-Heuss-Haus ist seit Sonn­tag eine Aus­stel­lung zu sehen, mit der man sich einen leben­di­gen Ein­druck von der dies­jäh­ri­gen Kin­der­spiel­stadt „Stu­ten­gar­ten“ machen kann. Gezeigt wer­den die Expo­na­te des Stu­ten­gar­ten-Muse­ums, kurz Stu­mu genannt. Zusam­men­ge­tra­gen wur­de die Samm­lung von 75 Kin­dern, die ange­lei­tet und bera­ten vom Muse­ums­team des Heuss-Hau­ses die Akti­vi­tä­ten auf dem Gelän­de doku­men­tier­ten, die die über 1.000 Kin­der in den Som­mer­fe­ri­en ent­fal­tet haben. Und das ist wirk­lich eine gan­ze Men­ge, eine veri­ta­ble Par­al­lel-Welt wird sicht­bar. Sozi­al­bür­ger­meis­te­rin Gabrie­le Mül­ler-Trim­busch, die die Aus­stel­lung eröff­ne­te, zeig­te sich denn auch begeis­tert von dem Ver­lauf der Spiel­stadt. „Das gan­ze ist ker­ni­ger gewor­den und pro­fes­sio­nel­ler,“ sag­te sie.

Allein der Blick auf das gro­ße Modell der Zelt­stadt, dass die klei­nen Muse­ums­ma­cher aus bunt bemal­tem Ton ange­fer­tigt haben, ver­deut­licht die beein­dru­cken­den Dimen­sio­nen und Viel­falt. Außer­dem wird klar, dass die Kin­der zwar gespielt haben, aber doch die mit allen Funk­tio­nen und Diens­ten einer nor­ma­len Stadt aus­ge­stat­te­ten Kin­der­welt sehr ernst­haft betrie­ben haben. Die Pro­duk­te der Juwe­lie­re, Bürs­ten­ma­cher, Fil­zer, Sei­fen­sie­der und Papier­ma­cher sind nur eini­ge Bei­spie­le. Die im Stu­mu akti­ven Kin­der haben die Expo­na­te selbst aus­ge­sucht und konn­ten ent­schei­den, wie und was der Nach­welt erhal­ten wer­den soll­te, um einen mög­lichst kom­plet­tes Bild die­sen Feri­en­spa­ßes zu ermög­li­chen. Dabei stieß man auch auf Pro­ble­me, die jeder Aus­stel­lungs­ma­cher kennt, wie man in der Stu­ten­gar­ten News sehen kann, den täg­lich erstell­ten Video-Nach­rich­ten. „Ach­tung, das Stu­mu hat zu wenig Besu­cher. Ein­tritt nur ein Stug­gi!“, sagt die jun­ge Mode­ra­to­rin, um dann zur Wet­ter­vor­her­sa­ge zu kom­men: „Genau­es wis­sen wir nicht, aber mor­gen soll es grü­nen Wackel­pud­ding reg­nen!“

Es ist die­se Mischung aus hart­nä­cki­ger, mög­lichst ori­gi­nal­ge­treu­er Imi­ta­ti­on der Erwach­se­nen­welt ver­bun­den mit einem gehö­ri­gen Schuss kind­li­cher Respekt­lo­sig­keit, die den Charme der Sache aus­ma­chen. So ver­spricht der frisch gewähl­te Bür­ger­meis­ter in einem Inter­view mit der täg­lich erschie­nen Zei­tung die Lösung eines Pro­blems, das sei­ne Wäh­ler offen­sicht­lich umtreibt: „Kei­ne War­te­schlan­gen mehr!“ Ob der jun­ge Volks­ver­tre­ter das ein­lö­sen konn­te, ist nicht über­lie­fert. Aber einen Ver­such war es sicher­lich wert.

Die Aus­stel­lung ist geöff­net bis zum 28. Sep­tem­ber 2008, Di-So 10–18 Uhr

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­ga­ter Zei­tung]

Lebendige Dokumente einer kindlichen Parallelwelt

Unsinniges Elterntaxi kann nur Notlösung sein

Mit einem Akti­ons­tag zur Ver­kehrs­si­cher­heit für Erst­kläss­ler star­te­ten ADAC und Poli­zei ins neue Schul­jahr. Nur zwölf Unfäl­le in 2008.

Der Schul­weg in Stutt­gart ist sicher. Mit die­ser Erkennt­nis möch­ten Poli­zei und ADAC die Eltern ermu­ti­gen, ihre Kin­der von Anfang an allein den Gang in die Schu­le zuzu­mu­ten. Unter­stüt­zung erhal­ten sie durch ver­kehrs­er­zie­he­ri­sche Maß­nah­men, die das rich­ti­ge Ver­hal­ten im Stra­ßen­ver­kehr ver­mit­teln.

Ab kom­men­der Woche sind sie wie­der unter­wegs, die gel­ben Kap­pen. Über 4.000 Kin­der wer­den dann neu ein­ge­schult sein und sich so bemützt auf den täg­li­chen Weg zur ihrer Grund­schu­le machen. Ver­teilt wur­den die nicht zu über­se­hen­den Kopf­be­de­ckun­gen auch beim Akti­ons­tag „Siche­rer Schul­weg“, den der ADAC in Zusam­men­ar­beit mit der Stutt­gar­ter Poli­zei ges­tern Vor­mit­tag auf dem Hof der Fil­der­schu­le in Deger­loch durch­führ­te. Gekom­men waren etwa 200 ABC-Schüt­zen mit ihren Eltern, die päd­ago­gisch ein­fühl­sam an das The­ma her­an­ge­führt wur­den.

Dabei kamen aller­dings auch klei­ne Schock­ef­fek­te zum Ein­satz. So muss­ten die Kin­der zusam­men mit den Eltern den Brems­weg eines Autos abschät­zen, das mit Tem­po 30 eine Voll­brem­sung auf dem Schul­hof hin­leg­te. Sicht­bar gemacht wer­den soll­te die erstaun­li­che Wir­kung der Reak­ti­ons­zeit, denn beim ers­ten Mal brems­te der Fah­rer selbst an der roten Linie, beim zwei­ten Ver­such, brems­te er erst, als eine Hel­fe­rin die gel­be Fah­ne hob, als er die rote Linie erreich­te. Trotz quiet­schen­der Rei­fen kam das Auto nun erst nach fast drei­fa­chen Brems­weg zum Ste­hen, ein Unter­schied, der alt und jung glei­cher­ma­ßen beein­druck­te. „Das hät­te ich nicht gedacht“, sag­te die Mut­ter von Car­la, die ihrer­seits mit gro­ßen Augen auf den Asphalt zeig­te: „Da sind ja schwar­ze Strei­fen,“ sag­te sie.

In den nächs­ten Wochen wird auch Car­la sich noch näher mit dem The­ma befas­sen kön­nen, denn an den Stutt­gar­ter Schu­len wer­den alle Erst­kläss­ler bis spä­tes­tens Janu­ar eine Schu­lung zum kor­rek­ten Ver­hal­ten im Stra­ßen­ver­kehr bekom­men. Zunächst theo­re­tisch und dann prak­tisch wer­den die wich­tigs­ten Regeln ver­mit­telt und ein­ge­übt. Dabei ste­hen die siche­re Über­que­rung der Stra­ße im Vor­der­grund, denn dabei pas­sie­ren die meis­ten Unfäl­le. „Die Kin­der müs­sen stän­dig zwi­schen par­ken­den Fahr­zeu­gen auf die Stra­ße und wer­den ein­fach nicht gese­hen,“ sag­te Peter Schwarz, Lei­ter der Ver­kehrs­er­zie­hung bei der Stutt­gar­ter Poli­zei. Des­halb wer­de den Kin­der auch die Regel „Zeig dich!“ ver­mit­telt, wovon die gel­be Kap­pe nur ein Teil ist. Sich mit dem Arm win­kend bemerk­bar machen sei eine wei­te­re wirk­sa­me Metho­de. Am Ende der Schu­lung steht die Aus­ga­be des Kin­der­fuß­gän­ger­scheins, ein in Deutsch­land ein­ma­li­ges Papier, so die Poli­zei­spre­cher. Und wirk­sam oben­drein.

Die Zahl der Unfäl­le auf dem Schul­weg ist wei­ter rück­läu­fig. Im ers­ten Halb­jahr 2008 gab es gan­ze zwölf Vor­fäl­le. Einen töd­li­chen Unfall hat es schon seit Jah­ren kei­nen mehr gege­ben. Bei einer Gesamt­zahl von etwa 80.000 Bewe­gun­gen pro Tag kann der Schul­weg in Stutt­gart daher wirk­lich als sicher bezeich­net wer­den. Ob die­se posi­ti­ve Ent­wick­lung allein auf die ver­kehrs­er­zie­he­ri­schen Anstren­gun­gen zurück­zu­füh­ren ist, kann natür­lich nie­mand mit letz­ter Sicher­heit sagen, aber einen pos­ti­ven Bei­trag wer­den sie leis­ten. „Die Inves­ti­ti­on lohnt sich,“ sag­te Nor­bert Walz, stän­di­ger Ver­tre­ter des Poli­zei­prä­si­den­ten, nahm aber gleich­zei­tig die Eltern in die Ver­ant­wor­tung. Die­se müss­ten mit den Kin­dern den Schul­weg ein­üben und natür­lich selbst ein Vor­bild im Stra­ßen­ver­kehr sein.

Wich­tig sei außer­dem, dass die Kin­der den Schul­weg allein bewäl­tig­ten. Das erhö­he nicht nur deren Selbst­stän­dig­keit, son­dern för­de­re sozia­le Kom­pe­ten­zen und die Fähig­keit, sich im öffent­li­chen Raum zurecht­zu­fin­den. Meh­re­re Stu­di­en hät­ten dies ein­deu­tig belegt. Daher raten die pro­fes­sio­nel­len Ver­kehrs­er­zie­her drin­gend davon ab, die Kin­der stän­dig mit dem eige­nen Auto zur Schu­le zu trans­por­tie­ren. „Das unsin­ni­ge Eltern­ta­xi kann höchs­tens mal bei schlech­tem Wet­ter eine Not­lö­sung sein,“ sag­te Peter Schwarz. Wie Schul­lei­te­rin Sabi­ne Nafe berich­te­te, kom­me es vor ihrer Schu­le sogar regel­mä­ßig zu bri­san­ten Sze­nen, wenn Eltern aus über­stei­ger­tem Sicher­heits­be­dürf­nis her­aus halb auf dem Bür­ger­steig kurz­park­ten, um ihre Spröß­lin­ge aus­stei­gen zu las­sen.

Der Poli­zei­spre­cher kün­dig­te denn auch für die nächs­ten Wochen ver­stärk­te Ver­kehrs­über­wa­chun­gen vor den Schu­len an. Geschwin­dig­keits­mes­sun­gen, Ein­hal­ten der Anschnall­pflicht und Falsch­par­ken wer­den dann im Fokus der Kon­trol­len ste­hen. Die Schul­we­ge selbst wer­den von einer Schul­weg­be­auf­trag­ten bei der Stadt­ver­wal­tung stän­dig über­prüft und even­tu­el­le Ver­än­de­run­gen auf Grund von Bau­stel­len ein­ge­ar­bei­tet. Trotz­dem soll­ten die Auto­fah­rer in den nächs­ten Wochen wie­der brems­be­reit sein, wenn die gel­ben Müt­zen ins Blick­feld gera­ten. Zu ver­spielt und zu ahnungs­los ob der dro­hen­den Gefahr sind die­se Ver­kehrs­teil­neh­mer und nei­gen oben­drein zu spon­ta­nen Reak­tio­nen, was Gün­ter Knopf, Vor­sit­zen­der des ADAC Würt­tem­berg, so for­mu­lier­te: „Kin­der und alte Leu­te, Hüh­ner und Gockel sind unbe­re­chen­bar!“

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zei­tung]

Unsinniges Elterntaxi kann nur Notlösung sein

Auf der Trinkglasorgel komponieren

250 Grund­schü­ler haben im Rah­men des Stifts­mu­sik­fes­tes Orgeln aus All­tags­ge­gen­stän­den gebas­telt und dafür Musik kom­po­niert.

Musik ist eine erns­te Sache und schwie­rig zu ler­nen. Die­ses gän­gi­ge Vor­ur­teil in den Köp­fen von Grund­schü­lern auf­zu­lö­sen, ist das Ziel eines Pro­jek­tes für das Stifts­mu­sik­fest im Juli. Etwa 250 Kin­der haben dabei aus All­tags­ge­gen­stän­den Instru­men­te gebas­telt und dafür kom­po­niert.

Im Rah­men des Stift­mu­sik­fes­tes im Juli wird man nicht nur Bach­mo­tet­ten und Kir­chen­chö­re hören kön­nen, son­dern auch so exo­ti­sche Instru­men­te wie ein Küchen­ge­rät­re­gis­ter oder eine Trink­glas­or­gel. Letz­te­re wur­de von den Kin­dern der Johan­nes-Brenz-Schu­le im Rah­men eines Pro­jek­tes gebaut, mit dem Grund­schü­ler an die Welt der Musik her­an­ge­führt wer­den sol­len. Kon­kret besteht die Orgel aus 18 klei­nen Holz­kon­struk­tio­nen, bei denen je ein Trink­glas den Klang­kör­per und Löf­fel das Schlag­werk bil­det.

An drei Vor­mit­ta­gen haben die Kin­der unter Anlei­tung des Musik­päd­ago­gen Gere­on Mül­ler die Instru­men­te gebas­telt und, was eigent­lich noch wich­ti­ger ist, gleich ein Stück dafür kom­po­niert. Die Kin­dern sei­en mit Feu­er­ei­fer bei der Sache gewe­sen und hät­ten ein­mal einen ganz ande­ren Zugang zur Musik bekom­men, ist Mül­ler über­zeugt. „Statt Musik respekt­voll zu kon­su­mie­ren, haben die Kin­der jetzt erlebt, dass man das mit ein­fachs­ten Mit­teln auch selbst machen kann,“ sag­te er. Die befrag­ten Kin­der äußer­ten sich ähn­lich: vor allem das Kom­po­nie­ren hat es ihnen ange­tan. Zwar sei­en dabei ein paar Glä­ser zu Bruch gegan­gen, aber das hat dem Spaß kei­nen Abbruch getan, wie auch Anna Droese berich­tet. Ihr Sohn hat bei dem Pro­jekt mit­ge­macht und obwohl er bereits Gei­ge spielt, habe ihm das auf jeden Fall den Hori­zont auf die gro­ße Welt der Töne und Geräu­sche erwei­tert. 

Wir haben 250 Kin­der mit Musik infi­ziert,“ sagt denn auch Chris­ti­an Zech, der das Pro­jekt im Rah­men des Stifts­mu­sik­fes­tes initiert und gelei­tet hat. Mit zehn Grup­pen in acht Stutt­gart Grund­schu­len wur­den in den letz­ten drei Mona­ten unter dem The­ma „Orga­num“ an den aben­teu­er­lichs­ten Ton­er­zeu­gungs­ge­rä­ten gebas­telt. Zuvor konn­ten sich die Kin­der bei Exkur­sio­nen in eine Orgel­werk­statt und in das Instru­ment der Stifts­kir­che eine leben­di­gen Ein­druck die­ser Klang­un­ge­tü­me ver­schaf­fen. Dann ging es unter der Anlei­tung von Musik­pro­fis an die Umset­zung eige­ner Orgeln oder Schlag­wer­ke. Zum Ein­satz kom­men nor­ma­le All­tags­ge­gen­stän­de wie Bla­se­bäl­ge, die mit­tels Gar­ten­schläu­chen diver­se Holz­flö­ten zum klin­gen brin­gen, oder auch Eisen­stan­gen, Topf­de­ckel und Kugel­bah­nen.

Ein beson­de­res Pracht­stück ist ein was­ser­ge­trie­be­nes Instru­ment, dass Plas­tik­fla­schen zum Klin­gen bringt, sich aller­dings etwas schwie­rig steu­ern lässt. Selbst aus den belieb­ten Lego-Stei­nen wur­den Instru­men­te ent­wi­ckelt. Die­se in ein musi­ka­li­sches Gesamt­werk zusam­men mit der Orgel der Stifts­kir­che zu brin­gen, ist die Auf­ga­be des Köl­ner Kom­po­nis­ten und Inter­ak­ti­ons­künst­lers Bern­hard König. Ers­te Hör­ein­drü­cke bei der Gene­ral­pro­be las­sen ein span­nen­des, unge­wöhn­li­ches Stück Neue Musik erwar­ten. Zur Auf­füh­rung kom­men die sehens- und hörens­wer­ten Instru­men­te und die für sie von den Kin­dern ent­wi­ckel­ten Kom­po­si­tio­nen am 5. Juli um 10 Uhr in der Stifts­kir­che.

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zei­tung]

Auf der Trinkglasorgel komponieren

Spielerisch den Umgang mit den Flammen lernen

In fünf Jah­ren wur­den 3.500 Klein­kin­der ehren­amt­lich im Brand­schutz geschult. Pro­jekt soll in die Flä­che.

Feu­er übt auf klei­ne Kin­der eine magi­sche Anzie­hungs­kraft aus. Weil sie aber unge­übt im Umgang mit den Flam­men sind, steht die­se Alters­grup­pe unter jugend­li­chen Brand­ver­ur­sa­chern an der Spit­ze. Mit prä­ven­ti­ven Maß­nah­men ver­su­chen die Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren das gefähr­li­che Spiel zu ver­hin­dern.

Die seit fünf Jah­ren in Stutt­gart durch­ge­führ­te Brand­schutz­er­zie­hung für Klein­kin­der in Kin­der­gär­ten ist ein Erfolg. Die­ser Ansicht sind die Ver­ant­wort­li­chen in Poli­tik und Feu­er­wehr ange­sichts der erreich­ten Zah­len wohl zu Recht. Etwa 3.500 Kin­der aus 100 Kin­der­gär­ten wur­den geschult unter nicht uner­heb­li­chen Auf­wand. Denn für jede Grup­pe sind fünf Ter­mi­ne vor­ge­se­hen. Neben einem Vor­ge­spräch mit den Erzie­he­rin­nen gibt es eines mit den Eltern. Dann natür­lich die Ter­mi­ne mit den Kin­dern selbst — ein­mal im Kin­der­gar­ten und ein­mal in einer Feu­er­wa­che. Abschlie­ßend gibt es ein Nach­ge­spräch, bei dem Resul­ta­te und Mei­nun­gen ein­ge­holt wer­den.

Dass die­se prä­ven­ti­ven Maß­nah­men not­wen­dig sind, dar­über besteht bei allen Betei­lig­ten Einig­keit. Die Zah­len spre­chen für sich. Etwa 80 Pro­zent der Brand­fäl­le, bei denen sich Jugend­li­che als Ver­ur­sa­cher iden­ti­fi­zie­ren las­sen, wer­den von ver­spiel­ten Klein­kin­dern aus­ge­löst. Hier han­delt es sich natür­lich nicht um mut­wil­li­ge Brand­stif­tun­gen, son­dern eher um den fas­zi­nier­ten aber feh­ler­haf­ten Umgang mit Streich­höl­zern oder Ker­zen. Offe­nes Feu­er zieht Kin­der eben magisch an und des­halb ist das päd­ago­gi­sche Kon­zept des Pro­jek­tes auch weni­ger auf Ver­bo­te aus­ge­rich­tet, son­dern auf den ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Umgang mit Feu­er. Und wenn doch mal was schief geht, soll wenigs­tens unver­züg­lich und feh­ler­frei die Feu­er­wehr geru­fen wer­den. Wie das jetzt funk­tio­niert, üben die Klei­nen mit Lie­dern und sogar eini­gen lebens­ech­ten Pro­be­an­ru­fen.

Durch­ge­führt wird das so erfolg­rei­che Pro­jekt bis­her aus­schließ­lich von den Kräf­ten der Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren. 70 Leu­te wur­den päd­ago­gisch geschult, tra­gen die gan­ze Arbeit ehren­amt­lich und sind eigent­lich an der Kapa­zi­täts­gren­ze ange­langt. Klaus Dal­fert, Vor­sit­zen­der des Stadt­feu­er­wehr­ver­ban­des bezeich­net die­sen Umstand bei einem Pres­se­ge­spröch denn auch als „klei­nen Wer­muts­trop­fen in einem groß­ar­ti­gen Pro­jekt.“ Er wür­de sich wün­schen, dass das Sys­tem auf eine „ande­re Basis“ gestellt wird, sprich: Dass die Berufs­feu­er­wehr die­ses Pro­jekt über­nimmt und mit Plan­stel­len durch­füh­ren kann. Der zustän­di­ge Ord­nungs­bür­ger­meis­ter woll­te sich dazu nicht recht durch­rin­gen. Auch er sieht zwar, dass die Bilanz „abso­lut beein­dru­ckend“ sei. „Ohne Ehren­amt wäre die­ser Kraft­akt nicht mög­lich gewe­sen.“ sag­te er. Aller­dings sicher­te er zu, „mehr Sys­te­ma­tik in das Pro­jekt zu brin­gen und es mög­lichst flä­chen­de­ckend anzu­bie­ten.“ Denn bis jetzt ist das Prä­ven­ti­ons­an­ge­bot auf Kin­der­gär­ten in den Außen­be­zir­ken beschränkt. In der Innen­stadt gibt es kei­ne Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren und die Kin­der­gär­ten müs­sen orts­nah bedient wer­den.

Wie genau eine gesamt­städ­ti­sche Ver­sor­gung orga­ni­siert wer­den kann, blieb offen, denn ohne neue Stel­len wird die Berufs­feu­er­wehr das Pro­jekt kaum stem­men kön­nen. Schon jetzt sei man mit der Brand­schutz­er­zie­hung, die obli­ga­to­risch in den Grund­schu­len durch­ge­führt wird, an der Kapa­zi­täts­gren­ze ange­langt. Schai­rer scheint aber ent­schlos­sen, die Sache vor­an­zu­brin­gen. „Einen Unter­schied zwi­schen innen- und Außen­be­zir­ken darf es nicht geben. Da wird man eine Lösung fin­den müs­sen,“ sag­te er. 

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zei­tung]
Spielerisch den Umgang mit den Flammen lernen

Europas Jugend mischt sich ein

Stadt­ju­gend­ring star­tet EU-Pro­jekt zur Mit­wir­kung Jugend­li­cher in der Kom­mu­nal­po­li­tik.

Mit einem Work­shop hat der Stadt­ju­gend­ring ein Pro­jekt zu Mit­wir­kung Jugend­li­cher an kom­mu­na­len Ent­schei­dungs­pro­zes­sen in der EU gestar­tet. Ein­ge­la­den waren Jugend­li­che aus den Part­ner­städ­ten Straß­burg und Lodz. Der Bedarf ist vor allem bei den EU-Neu­mit­glie­dern groß, wie die pol­ni­schen Teil­neh­mer berich­te­ten. 

Die poli­ti­sche Betei­li­gung Jugend­li­cher auf kom­mu­na­ler Ebe­ne zu ver­bes­sern, ist eines der Zie­le, das sich die Euro­päi­sche Uni­on auf die Fah­ne geschrie­ben hat. Kon­kret umge­setzt wer­den sol­che Poli­tik­zie­le zumeist in der För­de­rung ent­spre­chen­der Pro­jek­te. Eines davon ist das Pro­jekt Par­ti­ci­pa­ti­on Now, das der Stutt­gar­ter Stadt­ju­gend­ring ent­wi­ckelt hat und des­sen ers­te Stu­fe am Wochen­en­de durch­ge­führt wur­de. Je zwei Jugend­li­che aus der Lan­des­haupt­stadt sowie deren Part­ner­städ­ten Lodz und Straß­burg waren zusam­men­ge­kom­men, um eine Kon­fe­renz the­ma­tisch vor­zu­be­rei­ten, die im Sep­tem­ber in der Elsass­me­tro­po­le statt­fin­den wird. Bei die­sem Jugendhea­ring sol­len die Ergeb­nis­se auch direkt in die Poli­tik ein­ge­speist, genau­er: den Ent­schei­dungs­trä­gern im Euro­päi­schen Par­la­ment vor­ge­stellt wer­den. Zuletzt wird es im Som­mer 2009 eine Ergeb­nis­kon­fe­renz im pol­ni­schen Lodz geben, um die erziel­ten Fort­schrit­te zu pro­to­kol­lie­ren und wei­te­re Zie­le zu defi­nie­ren. 

Wäh­rend des Tref­fens in Stutt­gart wur­de aller­dings auch deut­lich, wie groß im Moment die Unter­schie­de in den Part­ner­städ­ten bei den Mög­lich­kei­ten der poli­ti­schen Mit­wir­kung sind. Wäh­rend Stutt­gart mit sei­nen in den letz­ten Jah­ren sich immer bes­ser ent­wi­ckeln­dem Sys­tem der Jugend­stadt­rä­te hier durch­aus Vor­bild­cha­rak­ter hat, ste­hen die Jugend­li­chen aus Lodz noch ganz am Anfang. Wie Mateusz Sta­siak berich­te­te, gibt es in der ost­pol­ni­schen Mil­lio­nen­stadt zwar eben­falls eine Art kom­mu­na­ler Jugend­ver­tre­tung, aber die loka­len Poli­ti­ker wür­den deren Arbeit nicht recht ernst neh­men. Die Fol­ge ist ein Man­gel an nicht­kom­mer­zi­el­len Frei­zeit­an­ge­bo­ten mit der Kon­se­quenz, dass viel auf der Stra­ße statt­fin­de, was der 15-jäh­ri­ge Kacpar Zawra­tyn­ski über­haupt nicht gut fand. „Die Jugend­li­chen müs­sen auf den Plät­zen in der Stadt her­um­lun­gern, rau­chen und trin­ken Alko­hol,“ sagt er.

Als Ergeb­nis des Wochen­en­des stand denn auch die Schaf­fung von Treff­punk­ten ganz oben auf der The­me­nagen­da der Teil­neh­mer. Spiel­stät­ten ein­zu­rich­ten wie zum Bei­spiel Plät­ze zum Skate­board­fah­ren, offe­ne Treff­punk­te wie das Jugend­ca­fé in Weil im Dorf zu unter­hal­ten oder lega­le Mög­lich­kei­ten, um dem so belieb­ten Gra­fit­ti-Spray­en nach­zu­ge­hen — das sind Ange­bo­te, für die sich die Jugend­li­che mehr Unter­stüt­zung von den euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen erhof­fen. Die sol­len Richt­li­ni­en erlas­sen, in denen eine ver­bind­li­che Ein­füh­rung jugend­li­cher Gre­mi­en zur insti­tu­tio­nel­len Mit­wir­kung an kom­mu­na­len Ent­schei­dun­gen fest­ge­schrie­ben wird. Wie Marc Fischer vom Stadt­ju­gend­ring Stutt­gart fest­stell­te, ist die­se Par­ti­zi­pa­ti­on auch Teil des gera­de sto­cken­den Lis­sa­bon-Pro­zes­ses und des gera­de von den Iren abge­lehn­ten Ver­trags­wer­kes. „Im Lis­sa­bon-Ver­trag steht, dass alle Bür­ger an Ent­schei­dun­gen auf loka­ler Ebe­ne zu betei­li­gen sind und dazu gehö­ren dann ja auch die Jugend­li­chen,“ sag­te er. Des wei­te­ren kon­sta­tier­ten die Teil­neh­mer des Work­shops Defi­zi­te bei der Her­aus­bil­dung einer euro­päi­schen Bür­ger­schaft. Hier müss­te in den Schu­len und den beruf­li­chen Aus­bil­dungs­stät­ten noch viel mehr getan wer­den, stell­ten sie fest. Die För­de­rung der Sprach­kom­pe­ten­zen, der Aus­bau von Aus­tausch­mög­lich­kei­ten und die Pro­pa­gie­rung der Gemein­sam­kei­ten soll das etwas kopf­las­ti­ge Kon­strukt EU mit kon­kre­ten Leben als Euro­pä­er fül­len. 

Finan­ziert wird das Stutt­gar­ter Pro­jekt aus EU-Mit­teln, mit Unter­stüt­zung der betei­lig­ten Städ­te. Bei deren Aus­wahl hat der Stadt­ju­gend­ring bewusst auf die exis­tie­ren­den Städ­te­part­ner­schaf­ten zurück­ge­grif­fen. Wie Bet­ti­na Schä­fer berich­te­te, habe man damit der Tat­sa­che Rech­nung getra­gen, dass es durch die lang­jäh­ri­gen Kon­tak­te eini­ge sehr gute Netz­wer­ke gäbe. Auf die habe man zurück­ge­grif­fen, um mit dem Work­shop und den zwei Kon­fe­ren­zen Euro­pas Poli­ti­ker auf allen Ebe­nen für die Anlie­gen und Bedürf­nis­se Jugend­li­cher zu sen­si­bi­li­sie­ren. Das kön­ne nur über­zeu­gend gelin­gen, wenn die Jugend­li­chen selbst die The­men ent­wi­ckel­ten und trans­por­tier­ten. Mit dem Stutt­gar­ter Tref­fen wur­de hier erfolg­reich ein Anfang gemacht.

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zei­tung]

Europas Jugend mischt sich ein