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	<title>baranek &#124; online &#124; publishing &#187; Kirche</title>
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		<title>Ohne Kohle aber mit Würde</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Oct 2008 16:23:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Baranek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verschiedene Kirchengemeinden und die Ambulante Hilfe bieten in den kommenden Monaten eine Gratismahlzeit an. Am Sonntag nahmen dies etwa 150 Menschen wahr, die sich in der Cannstatter Andreä-Gemeinde einfanden. Die Initiatoren wollen keine Abspeisung der Armen, sondern legen Wert auf einen würdigen Rahmen und auf den menschlichen Kontakt. Das Gesicht der Armut wandelt sich. Diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><em>Verschiedene Kirchengemeinden und die Ambulante Hilfe bieten in den kommenden Monaten eine Gratismahlzeit an. Am Sonntag nahmen dies etwa 150 Menschen wahr, die sich in der Cannstatter Andreä-Gemeinde einfanden. Die Initiatoren wollen keine Abspeisung der Armen, sondern legen Wert auf einen würdigen Rahmen und auf den menschlichen Kontakt.</em></p>
<p>Das Gesicht der Armut wandelt sich. Diese zunächst oberflächliche Erkenntnis konnte man gestern bei der ersten Ausgabe der Aktion &#8220;Essen ohne Kohle&#8221; machen, die in der Andreä-Kirchengemeinde in Bad Cannstatt stattfand. Etwa 150 Menschen nahmen das Angebot der Aktivisten der Ambulanten Hilfe und verschiedener Gemeinden an, gratis ein Mittagessen aus Erbsensuppe, Schweinebraten mit Spätzle und Vanillepudding zu erhalten. Nur einem kleinen Teil konnte man wirklich auf den ersten Blick ansehen, dass es am nötigsten fehlt.<span id="more-310"></span></p>
<p>Die Mehrheit machte eher den Eindruck, noch nicht durch das Raster des bürgerlichen Lebens gefallen zu sein, eine trügerische Einschätzung, wie Pfarrer Heinrich Schmid feststellt. &#8220;Die Zahl der armen Menschen, die noch in Besitz einer Wohnung sind oder in einer Einrichtung leben, nimmt ständig zu,&#8221; sagte er. Die Armut spiele sich vermehrt im Verborgenen ab und erscheine dann nur, wenn es Familien nicht mehr gelingt, ihre Kinder eine Klassenfahrt in das Schullandheim zu bezahlen. Die Not habe breitere Schichten erfasst, die sich ihrer Situation schämten. Denn noch fehle es an gesellschaftlicher Akzeptanz, wenn Menschen durch Krankheit oder familiäre Probleme ins soziale Abseits gerieten. Diese Distanz will die Aktion bewusst aufheben, indem auch Gemeindemitglieder an dem Essen teilnehmen und das Gespräch mit den Menschen suchen. &#8220;Wir wollen hier keine Abspeisung machen, sondern einen würdigen Rahmen und ein gutes Mittagessen bieten,&#8221; so Schmid.</p>
<p>Gekommen waren auch Iris und Wolfgang, die in der Nachbarschaft leben. Die 39-Jährige, die einmal als Arzthelferin gearbeitet hat, schlägt sich mit Hartz IV durch, wovon aber zum Leben letztendlich nur 200 Euro übrig bleiben. Deshalb ist sie froh, eine Stelle als Küchenhilfe beim Kulturwerk Ost bekommen zu haben. Dort darf sie bis zu 150 Euro hinzuverdienen. Wichtiger ist aber wieder das Gefühl zu bekommen, ein wertvoller Teil der Gesellschaft wahrgenommen zu werden. &#8220;Man fühlt sich so an den Rand gedrängt,&#8221; sagte sie. Partner Wolfgang ist 45 Jahre alt und schwerbehindert. Chancen auf eine reguläre Arbeitsstelle hat er deshalb nicht, so seine Erfahrung. Das Geld, das die beiden zur Verfügung haben, reicht gerade so. Eng wird es oft am Monatsende oder bei Neuanschaffungen wie Möbeln oder Kleidern. Früher habe man wenigstens vom Sozialamt noch einen Bekleidungszuschuss bekommen, damit sei es jetzt vorbei, berichten die beiden.</p>
<p>Diesen Trend, dass ganz normale Menschen, die große Probleme aus der Bahn geworfen haben, oder die unter Altersamrut leiden, nicht mehr mit den zur Verfügung stehenden Mitteln klarkommen, beobachtet auch Renate Mausner, Mitarbeiterin beim Café 72, das von der Ambulanten Hilfe unterhalten wird. Frührentner, ehemalige DDR-Bürger, gescheiterte Selbstständige &#8211; solche Schicksale gehören vermehrt zur Klientel. &#8220;Diese Gesellschaft produziert Not,&#8221; sagt Mausner und beklagt, dass man mit der Arbeit in der Einrichtung nur Notpflaster verteile, aber an die Ursachen nicht herankommt.</p>
<p>Spenden an Ambulante Hilfe, Konto 120 000, BLZ 60090800, Stichwort &#8220;Essen ohne Kohle&#8221;</p>
<p><em>[Artikel für den Lokalteil der Stuttgarter Zeitung]</em></p>
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		<title>Auf der Trinkglasorgel komponieren</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jun 2008 19:28:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Baranek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[250 Grundschüler haben im Rahmen des Stiftsmusikfestes Orgeln aus Alltagsgegenständen gebastelt und dafür Musik komponiert. Musik ist eine ernste Sache und schwierig zu lernen. Dieses gängige Vorurteil in den Köpfen von Grundschülern aufzulösen, ist das Ziel eines Projektes für das Stiftsmusikfest im Juli. Etwa 250 Kinder haben dabei aus Alltagsgegenständen Instrumente gebastelt und dafür komponiert. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>250 Grundschüler haben im Rahmen des Stiftsmusikfestes Orgeln aus Alltagsgegenständen gebastelt und dafür Musik komponiert.</strong></p>
<p><em>Musik ist eine ernste Sache und schwierig zu lernen. Dieses gängige Vorurteil in den Köpfen von Grundschülern aufzulösen, ist das Ziel eines Projektes für das Stiftsmusikfest im Juli. Etwa 250 Kinder haben dabei aus Alltagsgegenständen Instrumente gebastelt und dafür komponiert.</em></p>
<p>Im Rahmen des Stiftmusikfestes im Juli wird man nicht nur Bachmotetten und Kirchenchöre hören können, sondern auch so exotische Instrumente wie ein Küchengerätregister oder eine Trinkglasorgel. Letztere wurde von den Kindern der Johannes-Brenz-Schule im Rahmen eines Projektes gebaut, mit dem Grundschüler an die Welt der Musik herangeführt werden sollen. Konkret besteht die Orgel aus 18 kleinen Holzkonstruktionen, bei denen je ein Trinkglas den Klangkörper und Löffel das Schlagwerk bildet.</p>
<p>An drei Vormittagen haben die Kinder unter Anleitung des Musikpädagogen Gereon Müller die Instrumente gebastelt und, was eigentlich noch wichtiger ist, gleich ein Stück dafür komponiert. Die Kindern seien mit Feuereifer bei der Sache gewesen und hätten einmal einen ganz anderen Zugang zur Musik bekommen, ist Müller überzeugt. &#8220;Statt Musik respektvoll zu konsumieren, haben die Kinder jetzt erlebt, dass man das mit einfachsten Mitteln auch selbst machen kann,&#8221; sagte er. Die befragten Kinder äußerten sich ähnlich: vor allem das Komponieren hat es ihnen angetan. Zwar seien dabei ein paar Gläser zu Bruch gegangen, aber das hat dem Spaß keinen Abbruch getan, wie auch Anna Droese berichtet. Ihr Sohn hat bei dem Projekt mitgemacht und obwohl er bereits Geige spielt, habe ihm das auf jeden Fall den Horizont auf die große Welt der Töne und Geräusche erweitert. </p>
<p>&#8220;Wir haben 250 Kinder mit Musik infiziert,&#8221; sagt denn auch Christian Zech, der das Projekt im Rahmen des Stiftsmusikfestes initiert und geleitet hat. Mit zehn Gruppen in acht Stuttgart Grundschulen wurden in den letzten drei Monaten unter dem Thema &#8220;Organum&#8221; an den abenteuerlichsten Tonerzeugungsgeräten gebastelt. Zuvor konnten sich die Kinder bei Exkursionen in eine Orgelwerkstatt und in das Instrument der Stiftskirche eine lebendigen Eindruck dieser Klangungetüme verschaffen. Dann ging es unter der Anleitung von Musikprofis an die Umsetzung eigener Orgeln oder Schlagwerke. Zum Einsatz kommen normale Alltagsgegenstände wie Blasebälge, die mittels Gartenschläuchen diverse Holzflöten zum klingen bringen, oder auch Eisenstangen, Topfdeckel und Kugelbahnen.</p>
<p>Ein besonderes Prachtstück ist ein wassergetriebenes Instrument, dass Plastikflaschen zum Klingen bringt, sich allerdings etwas schwierig steuern lässt. Selbst aus den beliebten Lego-Steinen wurden Instrumente entwickelt. Diese in ein musikalisches Gesamtwerk zusammen mit der Orgel der Stiftskirche zu bringen, ist die Aufgabe des Kölner Komponisten und Interaktionskünstlers Bernhard König. Erste Höreindrücke bei der Generalprobe lassen ein spannendes, ungewöhnliches Stück Neue Musik erwarten. Zur Aufführung kommen die sehens- und hörenswerten Instrumente und die für sie von den Kindern entwickelten Kompositionen am 5. Juli um 10 Uhr in der Stiftskirche.</p>
<p><em>[Artikel für den Lokalteil der Stuttgarter Zeitung]</em></p>
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		<title>Prozession am Tag der Wandlung</title>
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		<pubDate>Tue, 27 May 2008 18:24:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Baranek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Katholische Christen feiern Fronleichnam mit Freiluft-Gottesdienst und Prozession über den Schlossplatz Die Wandlung des geopferten Gottessohnes in Brot und Wein ist der theologische Kern des Fronleichnams. Dieses Wundern zu feiern, kamen gestern viele katholische Christen in den Schlossgarten und nahmen an einer Prozession durch die Innenstadt teil. Am gestrigen Fronleichnam nahmen rund 1.500 Gläubige an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Katholische Christen feiern Fronleichnam mit Freiluft-Gottesdienst und Prozession über den Schlossplatz</strong></p>
<p><em>Die Wandlung des geopferten Gottessohnes in Brot und Wein ist der theologische Kern des Fronleichnams. Dieses Wundern zu feiern, kamen gestern viele katholische Christen in den Schlossgarten und nahmen an einer Prozession durch die Innenstadt teil.</em></p>
<p>Am gestrigen Fronleichnam nahmen rund 1.500 Gläubige an einem gemeinsamen Gottesdienst mehrer katholischer Gemeinden mit anschließender Prozession teil. Die Feierlichkeiten begannen unter freiem Himmel auf der Fläche zwischen dem Eckensee und dem Neuem Schloss statt. Dessen Freitreppen vor dem Ostportal zierte ein Blumenteppich aus vielen hundert Blüten mit dem klassischen christlichen Symbol einer Fischsilhouette. Dahinter war ein Altar aufgebaut, der zusammen mit weiteren Pflanzen und liturgischem Schmuck fast ein veritables Gotteshaus formte. Musikalisch begleitet wurde die von Stadtdekan Michael Brock geleitete Zeremonie von verschiedenen Musikern der Bläserkantorei und des Domchors sowie eine Gruppe des Musikvereins Rottweil-Neukirch, die auf ihren polierten, goldglänzenden Instrumenten dem Anlass gemäße, nachdenklich-getragene Klänge intonierte. Sogar eine mobile Holzorgel untermalte die Feiern von der Ladefläche eines Kleintransporters aus. </p>
<p>Die Feiern am Fronleichnam sind symbolisch verknüpft mit dem letzten Abendmahl Christi am Donnerstag vor Ostern. Allerdings wurden sie schon früh auf die Zeit nach Pfingsten verlegt, weil der Anlass einfach nicht in die stille, vorösterliche Zeit passte. Entstanden im späten 13. Jahrhundert hat der Ritus vor allem die Transsubstantiation zum Inhalt, also die Überzeugung, dass der Leib und das Blut des Gottessohnes in das geweihte Brot und den Wein verwandelt werden. Diese Metamorphose des Heiligen zum Alltäglichen stellte auch Stadtdekan Michael Brock in das Zentrum seiner Predigt. Am Beispiel der wundersamen Brotvermehrung bei der Speisung der Tausenden am See Genezareth pries Brock das &#8220;Wunder der Wandlung&#8221;, das auch in jedem einzelnen Menschen in Form der Charitas, also der tätigen Nächstenliebe, erscheinen könne. Es genüge nicht, Recht zu haben und auf sein Recht zu pochen. Damit erreiche man nur die Köpfe der Menschen. Es komme darauf an, mit Mitleid die Herzen zu erobern. &#8220;Davon lebt der Mensch, dass wir bereit sind, uns zu wandeln,&#8221; sagte Brock. Selbst mit Wenigem in den Händen, könnten sich die Gedanken des Friedens und des Erbarmens zu praktischem Trost und Stütze für bedrängte Menschen werden.</p>
<p>In den folgenden, in verschiedenen Sprachen verlesenden Fürbitten kamen dann aktuelle Anlässe zum aktiven Helfen wie die Naturkatastrophen in Birma und China zur Sprache. Nach dem vollzogenen Abendmahl zogen die Teilnehmer dann in einer langen Prozession einmal rund um den Schlossplatz. Dabei wurde unter einem goldenen Baldachin eine geweihte Hostie in einer Monstranz mitgeführt. Die Veranstaltung endete mit einem Gottesdienst in der Domkirche Sankt Eberhard mit einem Te deuum und anschließendem Platzkonzert mit Brot und Wein in der Königstraße. Parallel zu der Prozession fand im Park der Villa Berg ein Gottesdienst der italienischen Gemeinde statt.</p>
<p><em>[Artikel für den Lokalteil der Stuttgarter Zeitung]</em></p>
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		<title>Hunderte Familien feiern die Erstkommunion bei strahlendem Sonnenschein</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Mar 2008 18:07:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Baranek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am &#8220;Weißen Sonntag&#8221; empfangen traditionell die Neun- bis Zehnjährigen zum ersten Mal das katholische Abendmahl. Gestern nahmen 900 Kinder daran teil. Familientreffen, Einführung in die Gemeinde der Gläubigen, Initiationsritus &#8211; die Erstkommunion der katholischen Christen hat viele Facetten. Gefeiert wurde gestern auch in der Kirche Sankt Elisabeth im Westen, wo 48 Kinder zum ersten Mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Am &#8220;Weißen Sonntag&#8221; empfangen traditionell die Neun- bis Zehnjährigen zum ersten Mal das katholische Abendmahl. Gestern nahmen 900 Kinder daran teil.</strong><em><br />
</em></p>
<p><em>Familientreffen, Einführung in die Gemeinde der Gläubigen, Initiationsritus &#8211; die Erstkommunion der katholischen Christen hat viele Facetten. Gefeiert wurde gestern auch in der Kirche Sankt Elisabeth im Westen, wo 48 Kinder zum ersten Mal das Abendmahl empfingen.</em></p>
<p>Der Sonntag nach Ostern heißt in der katholischen Christenheit &#8220;Weißer Sonntag&#8221;, ein Name, der in dem Brauch der Urchristen gründet, ihre in der Woche nach der Ostertaufe getragenen weißen Gewänder abzulegen. Traditionell wird an diesem Sonntag bis heute in vielen katholischen Gemeinden die Erstkommunion der neun- bis zehnjährigen Gemeindekinder gefeiert. Am ersten Empfang des Sakraments der Eucharistie nahmen in der Kirche Sank Elisabeth im Stuttgarter Westen 48 Kinder teil. Dieser einschneidende Moment im Leben der jungen katholischen Christen, zum ersten Mal am Abendmahl der Gemeinde teilnehmen zu dürfen, stand auch für Tim Lars Gerne im Mittelpunkt des Interesses. &#8220;Dass wir das heilige Brot probieren dürfen,&#8221; war für den Grundschüler das Wichtigste an diesem Feiertag, wie er vor dem Ereignis aufgeregt bekannte. Er geht regelmäßig mit seinen Eltern in die Kirche und besuchte daher seit Herbst letzten Jahres den Kommunionsunterricht, bei dem die Kinder in die Glaubensinhalte und Kirchenriten eingeführt werden. Tim scheinen die Nachmittagsstunden gefallen zu haben, er fand das alles &#8220;lustig&#8221;, obwohl er schon einiges aus dem schulischen Religionsunterricht kannte.</p>
<p>Während vor der Kirche am Sonntag Vormittag bei strahlendem Sonnenschein die Familien sich in vielerlei Sprachen begrüßten und die Fotoapparate und Videokameras in Stellung gebracht wurden, versammelten sich die herausgeputzten Kinder im Gemeindehaus gegenüber, um ihr hellgraues, an ein Büßergewand erinnerndes Kleidungsstück überzustreifen. Dann wurden sie von den Messdienern in einer kleinen Prozession über die Straße in die Kirche geführt, wo sie am Eingang ihre großen Kerzen entzündeten. Mit ernsten und konzentrierten Gesichtern zogen sie dann durch das schwer nach Weihrauch duftende und mit über 1.000 Gläubigen völlig überfüllte Gotteshaus in den Altarbereich. Dort wurden sie von Pfarrer Christian Hermes empfangen, der die anwesenden Familien und Verwandten in fünf Sprachen begrüßen ließ und die Bedeutung des Tages für die Kinder betonte, die nun in der internationalen Gemeinschaft der Christen teilhaben würden.  </p>
<p>Die folgende Predigt bestritt Pastoralassistent Uwe Volkert, der das Motto der Kommunion &#8220;Gottes Segen ist ein Zelt&#8221; in einer  vermutlich auch den Kindern eingängigen Bildersprache bestritt. Vor dem Altar wurde eine bunte Plane mit einer Stange zu einem Zelt aufgerichtet und mit Heringen symbolisch geerdet. Volkert füllte diese Allegorie mit zahlreichen Glaubensinhalten und vermittelte ein authentisches Bild der Lebenswirklichkeit, da es auch Themen wie Angst und Einsamkeit oder das Bedürfnis nach Gemeinschaft zum Ausdruck brachte. Dann näherte sich der große Moment: die Kinder wurden zum Abendmahl geführt. &#8220;Das Brot war am Anfang ein bisschen hart,&#8221; sagte Kommunionskind Tim danach. Außerdem seien sie so schrecklich aufgeregt gewesen. Zum ersten Mal im öffentlichen Mittelpunkt des Interesses von Gemeinde und Familie zu stehen, scheint ihm nicht ganz leicht gefallen zu sein. Gestern ging er mit seinen Verwandten &#8220;noch irgendwo Essen&#8221;. Heute beginnt für ihn die Schule wieder und der Alltag als Christenkind. Der aufgeweckte Tim macht das sicher gut, innerlich gereift und verfügt jetzt obendrein sicherlich auch über etwas Taschengeld extra  - für die kleinen materiellen Bedürfnisse.</p>
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		<title>Armut zerstört die Würde des Menschen</title>
		<link>http://dirk-baranek.de/textarchiv/armut-zerstort-die-wurde-des-menschen/</link>
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		<pubDate>Mon, 18 Feb 2008 14:34:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Baranek</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Bischof aus Burundi ist Ehrengast bei der Feier der katholische Diözese zum 50-jährigen Jubiläum von Misereor  Zum Start der diesjährigen Fastenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor in der Diözese Rottenburg-Stuttgart fand gestern ein bunter Gottesdienst in der Kirche St. Georg statt. Ehrengast war Bischof Joseph Nduhirubusa aus Burundi, der in seiner Predigt Hilfe zur Selbsthilfe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Ein Bischof aus Burundi ist Ehrengast bei der Feier der katholische Diözese zum 50-jährigen Jubiläum von Misereor</strong></p>
<p> <em>Zum Start der diesjährigen Fastenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor in der Diözese Rottenburg-Stuttgart fand gestern ein bunter Gottesdienst in der Kirche St. Georg statt. Ehrengast war Bischof Joseph Nduhirubusa aus Burundi, der in seiner Predigt Hilfe zur Selbsthilfe forderte.</em></p>
<p> Mit einem bunten Gottesdienst feierte gestern die katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart in der Kirche St. Georg den Start der Fastenaktion 2008, die in diesem Jahr unter dem Thema &#8220;Mit Zorn und Zärtlichkeit auf der Seite der Armen&#8221; steht. Besonders feierlich wurde der Anlass ausgestaltet, da in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum des Hilfswerks Misereor begangen werden konnte. Ehrengast war Bischof Joseph Nduhirubusa, seit 1980 Oberhirte der Diözese Ruyigi im Osten des zentralafrikanischen Staates Burundi.</p>
<p> Das fruchtbare Land zwischen Viktoria- und Tanganjikasee, das jahrzehntelang unter politischen Unruhen und Konflikte zwischen den Volksgruppen heimgesucht wurde, ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die Folgen für die meist ländliche Bevölkerung in dem dicht besiedelten Land sind fatal. Mehr als 60 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze und jeder Dritte ist tagtäglich von Hunger betroffen. In seiner auf deutsch gehaltenen Predigt prangerte Bischof Nduhirubusa denn auch die &#8220;spirituelle und materielle Armut&#8221; an, unter der die Menschen in weiten Teilen Afrikas zu leiden hätten.</p>
<p> Ausbeutung, Gewalt, fehlende Bildung, Mangel an Lebensmitteln und nicht existente Gesundheitsversorgung, all diese Verhältnisse seien zu provozierend, um darüber hinwegzusehen. &#8220;Alle Formen dieser Armut verletzen und zerstören die Würde der Menschen,&#8221; sagte Nduhirubusa. Er dankte &#8220;den Brüdern und Schwestern im Norden&#8221; für die Hilfe in den letzten Jahrzehnten, die dazu beitrage, dass sich die Menschen selbst entwickeln könnten.</p>
<p> Hilfe zur Selbsthilfe steht denn auch im Zentrum der Aktivitäten von Misereor, das mit den Spendengeldern den Aufbau von Strukturen unterstützt, um burundischen Kleinbauern ein Auskommen zu sichern. Dabei kümmert man sich vor allem um die Kaffeebauern, meist Kleinproduzenten, damit diese sich auf dem ungerechten Markt besser behaupten können. Es werden selbstverwaltete Sammelstellen eingerichtet und der Aufbau einer nationalen Interessenvertretung logistisch unterstützt. Mit Erfolg, denn die Projekte haben eine solche Wachstumsdynamik entfaltet, dass es der Organisation im Moment an Kapazitäten fehlt, um allen Nachfragen nach Gründung und Unterstützung örtlicher Organisationen nachzukommen. &#8220;Misereor will die Menschen erreichen, um ihr Potenzial zur vollen Entfaltung zu bringen,&#8221; sagte Nduhirubusa in seiner Predigt. Die zahlreichen Anstrengungen könnten diese zwar nicht sofort aus der Armut befreien, bringe ihnen aber Ermutigung und Lebensfreude.</p>
<p> Ein wenig afrikanische Emotionen wurden dann auch in die zahlreich erschienen Gläubigen transportiert. Der Auftritt des Chores der hiesigen ghanaischen Gemeinde in leuchtend roten Gewändern und von Trommeln begleitet war der Höhepunkt eines Gottesdienstes, der die weltweite Solidarität der katholischen Christen eindringlich vor Augen führte.</p>
<p> <em>[Der Artikel ist am 18. Februar 2008 in der STUTTGARTER ZEITUNG erschienen]</em></p>
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		<title>Assistierte Berufsausbildung bietet Problemfällen echte Chancen auf eine Lehrstelle</title>
		<link>http://dirk-baranek.de/textarchiv/assistierte-berufsausbildung-bietet-problemfallen-echte-chancen-auf-eine-lehrstelle/</link>
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		<pubDate>Sat, 01 Dec 2007 15:04:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Baranek</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Stuttgart]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Projekt der Evangelischen Gesellschaft verhilft jungen Leuten zu einer Ausbildung. Das Besondere daran: Intensive Betreuung &#8211; auch für die Betriebe.  Noch immer finden nicht alle Schulabgänger einen Ausbildungsplatz. Schlechte Schulnoten, familiäre Probleme, unstetes Leben &#8211; oft kommt viel zusammen. Die Evangelische Gesellschaft nimmt sich solcher Fälle an, begleitet sie intensiv und hat Erfolg damit. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Ein Projekt der Evangelischen Gesellschaft verhilft jungen Leuten zu einer Ausbildung. Das Besondere daran: Intensive Betreuung &#8211; auch für die Betriebe.</strong></p>
<p> <em>Noch immer finden nicht alle Schulabgänger einen Ausbildungsplatz. Schlechte Schulnoten, familiäre Probleme, unstetes Leben &#8211; oft kommt viel zusammen. Die Evangelische Gesellschaft nimmt sich solcher Fälle an, begleitet sie intensiv und hat Erfolg damit.</em></p>
<p>Demir (Name geändert) hat Glück gehabt, obwohl seine berufliche Laufbahn zunächst nicht danach aussah. Irgendwie konnte der heute 23-Jährige, der allein bei seiner Mutter lebt, nach dem Abschluss der Hauptschule im beruflichen Bildungssystem nicht erfolgreich Fuß fassen. Ein Ausbildungsplatz war nicht zu ergattern und so war er in den folgenden Jahren auf Berufsfachschulen, Lehrgänge der Arbeitsagentur und Ein-Euro-Jobs angewiesen. Nicht gerade ein Programm, dass Perspektiven verheißt. Heute absolviert er eine Berufsausbildung zum Bäckerei-Fachverkaufer bei einem großen Stuttgarter Meisterbetrieb. &#8220;Ich fühle mich da gut aufgehoben,&#8221; sagt Demir. Die Wende in seinem Leben hat er wohl den Mitarbeitern im JobCenter zu verdanken, die ihn zur Evangelischen Gesellschaft Stuttgart (EVA) schickten. Dieser 1830 gegründete Verein versteht sich als soziales Netzwerk und beschäftigt über 800 Mitarbeiter in verschiedenen Einrichtungen.</p>
<p> Ein Projekt der EVA ist die Assistierte Berufsausbildung, die im Wesentlichen aus Mitteln der EU finanziert wird. Seit zehn Jahren werden darin junge Leute, die durch alle Raster gefallen sind, durch persönliche Betreuung in eine berufliche Ausbildung geführt. &#8220;Wir haben mit einzelnen Versuchen gestartet, die sehr erfolgreich waren. Seitdem ist das Projekt der Renner,&#8221; sagt Harald Ziegler, Bereichsleiter für Ausbildung bei der EVA. Aktuell werden über 100 junge Leute betreut, von denen sich drei Viertel in einer Berufsausbildung befinden, in normalen Unternehmen, dass ist Ziegler wichtig. Neun Mitarbeiter analysieren zunächst die Ausbildungsfähigkeit, woran es oft hapert. Pünklichkeit, Motivation, Einsatzbereitschaft, das sind Werte, die irgendwann verloren gingen oder vielleicht nie vermittelt wurden. Auch bei der Entwicklung eines Berufswunsches ist viel Arbeit zu leisten, manchmal ernüchternde. &#8220;Die Absage vom Daimler hilft manchmal weiter, um gewisse Vorstellungen auf den Boden der Tatsachen zu bringen,&#8221; sagt Ziegler. Es werden gute Bewerbungsfotos angefertigt, das Vorstellungsgespräch geübt und bei der Suche nach einem Praktikum und dem begehrten Ausbildungsplatz geholfen.</p>
<p> Dieses auf den individuellen Fall zurechtgeschnittene, passgenaue Angebot scheint ein Erfolgskonzept zu sein und nachhaltig zu wirken. Thomas Kreuz, Arbeitsförderer der Stadt Stuttgart, ist jedenfalls von dem Modell überzeugt. &#8220;Vor allem diese Kombination der Integration in die Ausbildung und das parallele Coaching scheint ideal,&#8221; sagt Kreuz. Damit meint er ein Prinzip des Projektes, die Betreuung nicht mit dem Abschluss des Ausbildungsvertrags zu beenden. Denn gerade in der Anfangsphase kommt es oft zu Problemen, die nicht selten zum Abbruch führen.</p>
<p> Mit den Leuten von der EVA ist das anders, denn die kümmern sich, sind im ersten Lehrjahr Ansprechpartner für die jungen Leute und für die Betriebe. Letzteren garantiert man eine Reaktionszeit von maximal 24 Stunden. Das war auch für Monika Frank, Inhaberin der Bäckerei, ein wichtiges Argument, es einmal mit Demir zu versuchen. &#8220;Man weiß einfach, wohin man sich wenden kann, wenn es mal klemmt. Und die Begleitung ist sehr professionell,&#8221; sagt Frank, die genug zu tun hat mit ihren 44 Mitarbeitern. Bei Demir hatten ihr die Bewerbungsunterlagen gefallen und das Vorstellungsgespräch verlief vielversprechend. Ob er wirklich zum Verkäufer geeignet ist, wurde dann in einem kurzen Praktikum erprobt, mit Erfolg. &#8220;Die Kunden mochten ihn von Anfang an sehr,&#8221; berichtet Frank. Kein Wunder, Demir ist nicht unattraktiv, als Mann in diesem Beruf eher selten und mit seiner ruhigen und bescheidenen Art von einnehmendem Charakter. Wie es scheint ein Volltreffer und damit ein perspektivloser junger Mensch weniger.</p>
<p> <em>[Der Artikel ist am 1. Dezember 2007 in der STUTTGARTER ZEITUNG erschienen]</em></p>
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		<title>Der Himmel steht allen offen und in der Hölle ist gar keiner</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Oct 2007 15:37:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Baranek</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Im Landesmuseum diskutierten Vertreter der monotheistischen Weltreligionen über Tod und Unsterblichkeit. Trotz des ernsten Themas wurde es ein heiterer Abend. Als Begleitung zur aktuellen Mumienausstellung hat das Landesmuseum im Alten Schloss namhafte Vertreter der großen Religionen zu einer Diskussion über die letzten Dinge gebeten. Es wurde ein geistig anregender, teilweise amüsanter Abend mit einem versöhnlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Im Landesmuseum diskutierten Vertreter der monotheistischen Weltreligionen über Tod und Unsterblichkeit. Trotz des ernsten Themas wurde es ein heiterer Abend.</strong></p>
<p><em>Als Begleitung zur aktuellen Mumienausstellung hat das Landesmuseum im Alten Schloss namhafte Vertreter der großen Religionen zu einer Diskussion über die letzten Dinge gebeten. Es wurde ein geistig anregender, teilweise amüsanter Abend mit einem versöhnlichen Ende.</em></p>
<p>Es sollte eine Veranstaltung sein, die das Thema Tod und Unsterblichkeit, mit dem sich das Landesmuseum im Alten Schloss in der aktuellen Ausstellung ägyptischer Mumien beschäftigt, durch einen Blick auf die von den monotheistischen Weltreligionen vertretenen Vorstellungen vertieft. Dazu wurden vier &#8220;wichtige Persönlichkeiten&#8221;, wie Direktorin Cornelia Ewigleben sagte, zu einer öffentlichen Diskussion gebeten.</p>
<p>Der Einladung gefolgt waren der evangelische Landesbischof Frank July, der katholische Theologe Abraham Kustermann, der Düsseldorfer Rabbiner Michael Goldberger und Ayyap Axel Köhler, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. Geleitet wurde der Abend von dem aus der ARD-Sendung Weltspiegel bekannten Fernsehjournalisten Jörg Armbruster. Dessen Technik, den Redefluss mit manchmal leicht provozierenden Fragen zu steuern, sorgte für einen unterhaltsamen Abend. Die Teilnehmer erlaubten sich den Luxus, in verständlichen Worten jedoch geistig anspruchsvoll über die großen Dinge wie den Tod und die jenseitige Existenz zu sprechen. Konfliktgeladene Diskussionen gab es keine, denn Thesen des Glaubens des anderen anzuzweifeln, erschien den Herren sinnlos, besonders wenn es um einen spekulativen, sich der Empirie entziehenden Bereich geht.</p>
<p>&#8220;Keiner der heute Anwesenden hat ja persönliche Erfahrungen mit dem Thema des heutigen Abends,&#8221; stellte Armbruster denn auch fest. Es wurden die jeweiligen Glaubenskonzepte vorgestellt im Lichte all der Fragen, die mit dem Ende der leiblichen Existenz zusammenhängen: Bestattungsrituale, Jenseitsvorstellungen, Totenkult. Herausgearbeitet wurden dabei Unterschiede und Gemeinsamkeiten. So wies Köhler immer wieder auf ähnliche Vorstellungen und Gebräuche bei Juden und Muslimen hin.</p>
<p>Tatsächlich sind diesen beiden Religionen die sarglose Bestattung im einfachen Leinenhemd und die ewige Totenruhe gemeinsam, Vorschriften die manchmal mit den Gesetzen christlicher Kulturen kollidieren. Unterschied dabei: das Judentum passt sich lokalen Sitten an, während der Islam strikter ist. Nicht wenige Muslime wünschen daher ein Grab in der alten Heimat. Allerdings gibt es auch im Judentum Grenzen. Die Verwesung des toten Körpers darf weder durch Mumifizierung verzögert noch durch Verbrennung beschleunigt werden. Beides verhindert das geordnete Austreten der Seelen.</p>
<p>An dieser Stelle machte der Rabbiner Goldberger auf die immense religiöse Bedeutung des Holocausts aufmerksam, in dessen Verlauf die Leichen von Millionen Menschen jüdischen Glaubens in den KZ-Krematorien verbrannt und nicht gemäß dem Ritual bestattet wurden. Er machte klar, dass die schreckliche Wirkungsmacht der NS-Verbrechen an diesem Punkt über den Tod der Opfer hinausging. Es war einer der wenigen, tiefernsten Momente an diesem Abend. Ansonsten wurde viel gescherzt und pointiert formuliert.</p>
<p>So berichtete der Katholik Kustermann, dass erst der zuletzt verschiedene Papst auf eine Einbalsamierung verzichtet habe. Auf die Frage, warum Päpste überhaupt ihren Leichnam konservieren ließen, einen religiösen Grund gibt es dafür im Christentum ja nicht, nannte er zum einen deren Drang zur Präsentation ihrer Macht und zum anderen das nicht ganz ernst gemeinte &#8220;Vorhalten von Reliquien&#8221;.</p>
<p>Der nette Abend endete mit beruhigenden Aussichten für die Lebenden. Denn nach einhelliger Meinung steht der jeweilige Paradies nicht nur den eigenen Gläubigen offen, sondern auch den anderen, vorausgesetzt es wurde ein moralisch geprägtes Leben geführt. Selbst die Hölle hat ihren Schrecken endgültig verloren. Zwar bestätigten alle deren Existenz, &#8220;aber wahrscheinlich ist da gar keiner,&#8221; sagte Kustermann. Ein gnädiger Gott hat die armen Sünder längst wieder herausgeholt.</p>
<p><em>[Der Artikel ist am 20. Oktober 2007 in der STUTTGARTER ZEITUNG erschienen]</em></p>
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		<title>Kirche zwischen Anpassung und Ablehnung</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Oct 2007 15:39:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Baranek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Beim Stadtrundgang &#8220;Der Haken am Kreuz&#8221; erlebt man das zwiespältige Verhältnis der Kirchen zum NS-Staat Seit fünf Jahren gibt es eine Führung durch die Innenstadt, mit der man teilweise an Originalschauplätzen mehr erfährt über das Verhältnis der Kirchen zur Hitlerdiktatur. Es wird klar: Es gab viel Anpassung, aber auch radikale Verweigerung. Auf einmal verteilt Harald [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Beim Stadtrundgang &#8220;Der Haken am Kreuz&#8221; erlebt man das zwiespältige Verhältnis der Kirchen zum NS-Staat</strong></p>
<p><em>Seit fünf Jahren gibt es eine Führung durch die Innenstadt, mit der man teilweise an Originalschauplätzen mehr erfährt über das Verhältnis der Kirchen zur Hitlerdiktatur. Es wird klar: Es gab viel Anpassung, aber auch radikale Verweigerung.</em></p>
<p>Auf einmal verteilt Harald Hellstern Flugblätter. Die beidseitigen Kopien haben keine reißerische Überschrift, keine emotionalen Grafiken sondern bestehen aus zwei Seiten einfachem, purem Text, mit Schreibmaschine getippt. Der Inhalt ist brisant, umstürzlerisch, radikal anti-nazistisch und das Verteilen wurde mit dem Tod bestraft. Es ist ein Faksimile der Weißen Rose, 1944 von dem Kreis um die Geschwister Scholl angefertigt. &#8220;Mit mathematischer Sicherheit führt Hitler das deutsche Volk in den Abgrund,&#8221; steht da.</p>
<p>So ist es dann gekommen, auch wenn heute davon nicht mehr viel zu sehen ist. Dieser Umstand mach Harald Hellstern zu schaffen. Das Vergessen greift um sich. Die immer wieder sichtbaren Zeichen, die Kriminelle mit ihrem gewalttätigen Glauben an totalitäre Heilsversprechungen hinterlassen, wie jüngst die Schändung des jüdischen Friedhofs in Freudental, sind dafür ein Beleg. Mit der Führung &#8220;Der Haken am Kreuz&#8221;, die Hellstern zusammen mit dem Stadtjugendring und der Organisation Pax Christi anbietet, arbeitet er seit fünf Jahren gegen das Verdrängen. Der Titel ist programmatisch, denn das Verhältnis der Kirche zur NS-Diktatur und ihr Handeln in diesen Jahren ist das eigentliche Thema.</p>
<p>Folgerichtig beginnt der zweieinhalbstündige Rundgang in der Königstraße im Foyer der Kirche Sankt Eberhard. In der befindet sich ein Gedenkraum für den 1987 selig gesprochenen Priesters Rupert Mayer, einem gebürtigen Stuttgarter. In München legte er sich vor 1933 mehrfach mit den Nazis an, die ihn dann ins KZ verschleppten und in das Kloster Ettal verbannten, wo er den Krieg überstand. Mayers unbeugsame Haltung war in der katholischen Kirche nach dem Konkordat NS-Deutschlands mit dem Papst keineswegs unumstritten, das stellt Hellstern unmissverständlich klar. Oft wandte sich der kirchliche Protest nicht gegen die Entrechtung ganzer Bevölkerungsgruppen sondern nur gegen die Gleichschaltungspolitk der Nazis und gegen deren Versuche, ihre letztlich unchristliche Ersatzreligion durchzusetzen. Wie weit sie damit gingen, verdeutlicht Hellstern vor der Tür der Schlosskirche. In den braunen Jahren habe auf dem Altar nicht die Bibel, sondern Hitlers Hetzschrift Mein Kampf gelegen. Denn diese Kirche war die Gemeinde der Deutschen Christen, der NS-Organisation der Protestanten. Nach dem Krieg lieh sich der neue Pfarrer als erstes von den Katholiken ein Weihrauchfass, um mit dem heiligen Qualm die alten Geister auszutreiben.</p>
<p>Solche fast schon heiteren Anekdoten gibt es nicht viele. Zu grausam und zu vernichtend war diese Zeit. Hellstern erinnert an die Zerstörung der Stadt. Der Umstand, dass er die Führung durch folierte Bilder ergänzen muss, die durch die Gruppe gereicht werden, zeigt, wie total die Vernichtung war, die eben auch die Zeugnisse der Gewaltherrschaft getilgt hat. Stehen geblieben ist das neoklassizistische Haus in der Dorotheenstraße 10, das alte Hotel Silber, die ehemalige Gestapozentrale. Ein Foto wird herumgereicht, das den Abtransport des katholischen Zentrumspolitkers Eugen Bolz an eben dieser Stelle zeigt. Von oben sieht man den geschassten, verhafteten, soeben verhörten Innenminister von Württemberg im Fond des offenen Fahrzeugs sitzen, umringt von einem Menschenpulk. &#8220;Die Nazis hatten einen Auflauf organisiert. Beim Abtransport wurde er dann von denen mit Unrat beworfen,&#8221; erzählt Hellstern.</p>
<p>Es sind diese kleinen Dinge, die den Rundgang, der manchmal zu stark in die innerkirchlichen Details abschweift, so lebendig und lehrreich machen. Gegen das Vergessen und die Verharmlosung, das ist allerdings ein Kampf, der schon 1933 begann, auch innerhalb der Kirche. Am Eingang zum Bohnenviertel erinnert Hellstern an die dort lebende jüdische Gemeinde, über die der Pfarrer der benachbarten Leonhardtskirche sagte: &#8220;Plötzlich waren sie weg.&#8221; Wegschauen, weghören, wegdiskutieren &#8211; auch die Kirchen haben passiv und aktiv an der Entwicklung des NS-Staates mitgewirkt. &#8220;Erst als es eng wurde, ist man aufgewacht,&#8221; sagt Hellstern. Aber man stellt sich der schonungslosen Analyse und zieht daraus Lehren für die Gegenwart. Diese Führung ist ein Teil davon.</p>
<p><em>[Der Artikel ist am 16. Oktober 2007 in der STUTTGARTER ZEITUNG erschienen]</em></p>
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