Der Widerstand formiert sich

Plien­in­ger Bür­ger befürch­ten wei­te­re Belas­tun­gen durch den ange­dach­ten Bau einer zwei­ten Start- und Lan­de­bahn am Flug­ha­fen

Bei einer Ver­an­stal­tung der Loka­len Agen­da Plien­in­gen haben sich ges­tern Abend 50 Bür­ger über die Plä­ne zum Bau einer zwei­ten Start- und Lan­de­bahn infor­miert. Der erneu­te dras­ti­sche Ein­griff in die Fil­der­land­schaft stieß auf ein­hel­li­ge Ableh­nung.

Wie sehr die Kon­flik­te um die gro­ßen Bau­pro­jek­te rund um den Flug­ha­fen die Men­schen auf den Fil­dern geprägt hat, konn­te man ges­tern Abend bei einer Ver­an­stal­tung der Loka­len Agen­da Plien­in­gen erle­ben. Etwa 50 inter­es­sier­te Bür­ger waren gekom­men, um sich von Stef­fen Sie­gel, dem Vor­sit­zen­den der streit­ba­ren Schutz­ge­mein­schaft Fil­der, über den aktu­el­len Stand der Plä­ne für eine zwei­te Start- und Lan­de­bahn des Flug­ha­fen infor­mie­ren zu las­sen.

Kon­kre­te Details konn­te Sie­gel zu die­sem The­ma natur­ge­mäß nicht lie­fern, ist doch das gan­ze Pro­jekt eigent­lich nicht mehr als eine Idee der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft. Im Moment war­ten alle Betei­lig­ten auf die Ergeb­nis­se einer Mach­bar­keits­stu­die, die zwar schon vor­lie­gen soll, sich aber noch in der End­re­dak­ti­on befin­det. Die­ser Umstand lös­te bei den Anwe­sen­den teil­wei­se höh­ni­sches Geläch­ter aus. Durch die Erfah­run­gen der letz­ten Jahr­zehn­te ist das Ver­trau­en in die Unab­hän­gig­keit von Fach­leu­ten auf dem Null­punkt. Zu oft ent­stand der Ein­druck, dass deren Ergeb­nis­se gemäß den Zie­len der Auf­trag­ge­ber zurecht­ge­schnitzt wer­den. Das könn­te auch jetzt wie­der gesche­hen, so die Befürch­tung von Sie­gel.

Zwar habe Minis­ter­prä­si­dent Oet­tin­ger eine Art „Ober­gut­ach­ten“ in Aus­sicht gestellt, das wer­de aber ange­sichts der Tat­sa­che, dass die Flug­ha­fen­ge­sell­schaft zu glei­chen Tei­len der Stadt und dem Land gehö­re, bestimmt nicht unab­hän­gig aus­fal­len. Die für den Bau not­wen­di­gen Ein­grif­fe in die Land­schaft illus­trier­te Sie­gel mit selbst gezeich­ne­ten Kar­ten und die offen­bar­ten dras­ti­sche Per­spek­ti­ven. Vor allem die nörd­lich der Auto­bahn gele­ge­ne Vari­an­te schiebt sich bedroh­lich nahe an die äuße­ren Vier­tel von Plien­in­gen her­an. Ange­sichts der auch von Umwelt­mi­nis­te­rin Gön­ner kon­sta­tier­ten, außer­or­dent­li­chen hohen Lärm­be­las­tung, wie von der StZ berich­tet, hält Sie­gel die­se Lösung für unvor­stell­bar.

Aber auch am süd­li­chen Rand gebe es erheb­li­che Pro­ble­me. Es müss­ten gigan­ti­sche Erd­mas­sen auf­ge­schüt­tet wer­den, um die neue Start­bahn an das Niveau des Flug­ha­fens anzu­pas­sen. „Die wol­len dort bestimmt das Mate­ri­al vom Tun­nel­bau für Stutt­gart 21 ver­wen­den,“ rief ein Zuhö­rer zur all­ge­mei­nen Erhei­te­rung. Zudem löse die Süd-Vari­an­te die Kapa­zi­täts­pro­ble­me im Flug­ver­kehr nur unvoll­stän­dig, denn gleich­zei­ti­ge Starts auf den zu nah neben­ein­an­der lie­gen­den Beton­pis­ten sei­en zumin­dest für gro­ße Flug­zeu­ge unmög­lich. Sie­gel ver­mu­tet, die gesam­te Dis­kus­si­on könn­te ein tak­ti­sches Manö­ver der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft sein, um das ein­ge­schränk­te Nacht­flug­ver­bot auf­zu­wei­chen. Ins­ge­samt zeig­te sich der Vor­sit­zen­de der laut Selbst­aus­kunft ältes­ten Bür­ger­initia­ti­ve Deutsch­lands opti­mis­tisch, dass die­ses Pro­jekt wegen des Wider­stan­des der Anwoh­ner nicht umge­setzt wird. „Wir haben Rück­halt wie noch nie,“ sag­te er.

Vor allem in den süd­lich des Flug­ha­fens gele­ge­nen Gemein­den gebe es in den poli­ti­schen Gre­mi­en eine par­tei­über­grei­fen­de Ableh­nung. Auch die Kreis­kon­fe­renz der SPD-Stutt­gart hat ihre Frak­ti­on im Gemein­de­rat auf­ge­for­dert, sich gegen das Pro­jekt aus­zu­spre­chen. Dort war­tet man noch auf die Stu­die. Die Loka­le Agen­da Plien­in­gen wird ihre Akti­vi­tä­ten des­sen unge­ach­tet aus­wei­ten. Im Novem­ber soll in einem grö­ße­ren Rah­men das Pro­jekt dis­ku­tiert wer­den. Eines wur­de bei der Ver­an­stal­tung deut­lich: Die Bewoh­ner der Fil­der haben es gründ­lich satt, erneut die Zeche der wirt­schaft­li­chen Expan­si­on zu zah­len. Die Neue Mes­se konn­te zuletzt zwar nicht ver­hin­dert wer­den, aber resi­gnie­ren wird man nicht.

[Der Arti­kel ist am 13. Okto­ber 2007 in der STUTTGARTER ZEITUNG erschie­nen]

Der Widerstand formiert sich

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