Hobbygriller ermitteln Stadtmeister

Zwölf Teams sind ges­tern Nach­mit­tag ange­tre­ten, um am Rost den bes­ten Wurst- und Fleisch­gril­ler der Stadt zu fin­den.

Zum Som­mer gehört der Grill­abend ein­fach dazu. Vor allem unter jun­gen Leu­ten ist das Frei­luft­ko­chen am hei­ßen Rost sehr beliebt. Dabei ist man durch­aus ambi­tio­niert, wie bei der 2. inof­fi­zi­el­len Stadt­grill­meis­ter­schaft am Stadt­strand in Cann­statt zu beob­ach­ten war.

Die Jury war nicht mit allem zufrie­den. Die längs hal­bier­te Möh­re war noch hart, oben­drein tro­cken und wur­de wohl ein­fach nur auf den Grill gelegt, statt in Alu­fo­lie ein­ge­wi­ckelt lang­sam zu garen. Das gab eine schlech­te Note auf dem Bewer­tungs­zet­tel unter dem Punkt „Geschmack der Bei­la­ge“. Bei den ande­ren Beno­tungs­kri­te­ri­en wie dem Aus­se­hen des Gesamt­ge­richts, die opti­sche Gar­stu­fe des Ent­re­cots oder des­sen Biss­fes­tig­keit sah es hin­ge­gen gar nicht so schlecht aus. Ein­ge­reicht wur­de das Gericht in der Kate­go­rie „Fleisch“ bei der am gest­ri­gen Nach­mit­tag aus­ge­tra­ge­nen, inof­fi­zi­el­len 2. Stutt­gar­ter Stadt­grill­meis­ter­schaft vom Team „Die Foli­en­gril­ler“. Das besteht aus vier jun­gen Män­nern, die aus dem Bezirk Müns­ter kom­men, sich schon von Kin­des­bei­nen an ken­nen und pri­vat eigent­lich eher wenig selbst kochen. Aller­dings sind sie begeis­ter­te Gril­ler, vor allem mit Holz­koh­le. Im letz­ten Jahr haben sie es mit ihren Krea­tio­nen sogar auf Platz fünf geschafft. Ges­tern muss­ten sich die ins­ge­samt zwölf Teams aber am Gril­len mit Gas ver­su­chen.

Aus­ge­sucht wur­den die Teil­neh­mer von den Ver­an­stal­tern, einer Stutt­gar­ter Event­agen­tur. „Ent­schei­dend war die Prä­sen­ta­ti­on der Teams bei der Bewer­bung im Inter­net,“ sag­te Pro­jekt­lei­ter Chris­ti­an List. Ein pfif­fi­ges Foto, ein lus­ti­ger Name und schon kann es los­ge­hen. Der Ver­an­stal­ter stell­te den Teams einen gas­be­trie­be­nen Grill und einen üppig gefüll­ten Waren­korb. Dar­in befan­den sich neben diver­sen Gemü­se­sor­ten wie Cham­pi­gnons, Zuc­chi­ni und Papri­ka auch zwei Kilo Rind­fleisch sowie 15 Rote und 15 Brat­würs­te. Ein tür­kisch­stäm­mi­ges Team bat um Geflü­gel­wurst, was pro­blem­los erfüllt wur­de. Selbst mit­brin­gen konn­ten die Teil­neh­mer Mari­na­den, Sau­cen zum dippen oder was ihnen sonst noch ein­fiel und das war eini­ges. Von der Krea­ti­vi­tät eini­ger Teams zeig­te sich selbst der Pro­fi über­rascht. 

Chris Reich ist haupt­be­ruf­li­cher Gril­ler und tourt durch den deut­schen Süd­wes­ten, um vor Super­märk­ten die Kund­schaft auf den Geschmack zu brin­gen. Er war am Sonn­tag ein­ge­la­den, um dem Publi­kum sei­ne Küns­te auf einer Show­büh­ne zu prä­sen­tie­ren. „Die Ama­teu­re haben immer wie­der sehr wit­zi­ge Ide­en,“ sagt er. Soeben hat­te er als Juror eine Cur­ry­wurst Hawai ver­kos­tet, bei der der Klas­si­ker noch mit gegrill­ter Ana­nas auf­ge­peppt wur­de. Ein­schrän­kend muss er aber hin­zu­fü­gen, dass anders als bei den ech­ten Pro­fi-Wett­be­wer­ben am Sonn­tag kei­ner­lei Beschrän­kung bei der Wahl der Mit­tel herrsch­te. Ange­spro­chen auf die Fra­ge, ob das Gril­len mit Gas nicht eigent­lich eine Para­do­xie sei, weil ja gera­de der spe­zi­fi­sche, rau­chi­ge Geschmack nicht erzeugt wer­den kann, erläu­tert Reich sei­ne Grill­phi­lo­s­phie. Er selbst bevor­zugt unge­köh­ler­te ame­ri­ka­ni­sche Hart­höl­zer, die einen sehr mil­den und spe­zi­fi­schen Rauch­ge­schmack auf das Grill­gut über­tra­gen. Das Gute an Gas sei aller­dings, dass man schön lang­sam und opti­mal tem­pe­riert vor­ge­hen kön­ne. Gewis­se Gemü­se sei­en außer­dem eher schwach im Eigen­ge­schmack und wür­den auf Holz­koh­le nur noch rau­chig schme­cken. Ansons­ten sieht er die­se Grund­satz­dis­kus­si­on ent­spannt und ist eher dar­auf erpicht, auf den weit ver­brei­te­ten Kar­di­nal­feh­ler von Otto-Nor­mal-Gril­ler, Fleisch und Gemü­se über statt neben der Flam­me zu gril­len, hin­zu­wei­sen. Durch die Fett­ver­bren­nung ent­ste­hen zu vie­le, ver­mut­lich Krebs erre­gen­de Stof­fe, die mit­zu­es­sen schlicht gesund­heits­ge­fähr­dend ist. Die meis­ten Pro­duk­tio­nen der Teams sahen aller­dings recht ansehn­lich aus, kaum ver­kohl­te Sachen dabei. Die am Nach­mit­tag anschwel­len­de Publi­kums­schar nutz­te denn auch reich­lich die Chan­ce zu pro­bie­ren, denn der Waren­korb ging nur zu einem klei­nen Teil an die Jury. Der Rest wur­de frei ver­teilt und die Gril­ler sahen mit Ver­gnü­gen, wie ihre Krea­tio­nen reich­lich Abneh­mer fan­den.

www.stadtgrillmeisterschaft.de

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zei­tung]

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