Prozess wegen Autoschieberei

Meh­re­re hun­dert­tau­send Euro soll der Scha­den betra­gen, den eine Ban­de von Auto­schie­bern im letz­ten Jahr ver­ur­sacht haben soll. Ges­tern begann der Pro­zess gegen einen 38-Jäh­ri­gen, der aber die ihm zur Last geleg­ten Taten abstritt. Die Staats­an­walt­schaft wirft ihm gewerbs­mä­ßi­ge Heh­le­rei und Ban­den­mit­glied­schaft vor.

Die Masche war nach Ansicht der Staats­an­walt­schaft immer die glei­che. Man besorgt sich auf der Basis von Lea­sing­ver­trä­gen hoch­wer­ti­ge Last­wa­gen und Klein­trans­por­ter, bevor­zugt der Mar­ken Mer­ce­des-Benz und MAN, und mel­det die Autos nach einer gewis­sen Zeit als gestoh­len. Anschlie­ßend wer­den die Fahr­zeu­ge über die Tür­kei nach Syri­en geschafft und dort mit Gewinn ver­kauft. Auf die­se Art und Wei­se sol­len laut gest­ri­ger Ankla­ge vor der 16. Straf­kam­mer des Land­ge­richts fast zwei Dut­zend Fahr­zeu­ge ver­scho­ben wor­den sein. Gesamt­scha­den: meh­re­re hun­dert­tau­send Euro.

An die­sen Straf­ta­ten mit­ge­wirkt zu haben, wird ein 38-Jäh­ri­ger beschul­digt, der 1992 aus der Zen­tral­tür­kei als Stu­dent nach Deutsch­land ein­wan­der­te. Hier schlug er sich aber zunächst als Kell­ner und Pro­duk­ti­ons­hel­fer durch und arbei­te­te in der Trans­port­fir­ma eines älte­ren Bru­ders. Zeit­wei­se betä­tig­te er sich als Bau­un­ter­neh­mer in Bie­tig­heim-Bis­sin­gen und hat­te zuletzt ein gro­ßes Ein­zel­han­dels­ge­schäft im west­fä­li­schen Bie­le­feld. Das ging offen­sicht­lich gut, wie der Ange­klag­te aus­führ­te, denn er habe über­haupt gar kei­nen Anlass gehabt, die­se ille­ga­len Geschäf­te zu täti­gen. Inzwi­schen war er aber schon ins Visier der Ermitt­lungs­be­hör­den gera­ten, die auch sein Tele­fon über­wach­ten. Tei­le der Ankla­ge fußen zudem auf Aus­sa­gen wei­te­rer Per­so­nen, die zu dem Bezie­hungs­ge­flecht gehör­ten und bereits vor Gericht stan­den. Staats­an­walt Hengst­ler sieht es jeden­falls als erwie­sen an, dass der Ange­klag­te sich der gewerbs­mä­ßi­gen Heh­le­rei als Mit­glied einer Ban­de schul­dig gemacht hat.

Nächs­te Woche wer­den daher ins­ge­samt 19 Zeu­gen vor Gericht erschei­nen, um ihre Aus­sa­ge zu machen. Schon ges­tern wur­de klar, dass es eini­gen Auf­wand kos­ten wird, das Geflecht von Ver­wand­ten und Bekann­ten zu ent­wir­ren, in dem sich der Ange­klag­te beweg­te und das fast an mafiö­se Struk­tu­ren erin­nert. Die­ser Ein­druck wur­de durch Ein­las­sun­gen des Ange­klag­ten erhär­tet, der zugab, den Kauf eines 9mm-Revol­vers ver­mit­telt zu haben. Ein Bekann­ter habe „Pro­ble­me mit Leu­ten“ gehabt und ihn nach Mög­lich­kei­ten gefragt, eine Schuss­waf­fe zu erwer­ben. Auf sei­ne Ver­mitt­lung hin kam es dann zu der Über­ga­be der Pis­to­le im März 2007 auf dem Park­platz der Moschee in Feu­er­bach. Die 1.200 Euro, die dafür fäl­lig waren, wur­den von dem Ange­klag­ten bezahlt, der sie als „Geschenk“ wei­ter­gab, so sei­ne Aus­sa­ge ges­tern. Auch sonst war man nicht zim­per­lich. Mehr­fach wur­de offen­bar intern bespro­chen, miss­lie­bi­ge, kon­kur­rie­ren­de Geschäfts­leu­te und Zeu­gen mit nega­ti­ven Aus­sa­gen vor Gericht mit kör­per­li­cher Gewalt zu bedro­hen oder deren Läden anzu­zün­den. Für den Ange­klag­ten waren all das nur „Scher­ze“ und Miss­ver­ständ­nis­se der Ermitt­ler auf­grund der für blu­mi­ge Redens­ar­ten bekann­ten tür­ki­schen Spra­che.  

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zei­tung]

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