Spielerisch den Umgang mit den Flammen lernen

In fünf Jah­ren wur­den 3.500 Klein­kin­der ehren­amt­lich im Brand­schutz geschult. Pro­jekt soll in die Flä­che.

Feu­er übt auf klei­ne Kin­der eine magi­sche Anzie­hungs­kraft aus. Weil sie aber unge­übt im Umgang mit den Flam­men sind, steht die­se Alters­grup­pe unter jugend­li­chen Brand­ver­ur­sa­chern an der Spit­ze. Mit prä­ven­ti­ven Maß­nah­men ver­su­chen die Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren das gefähr­li­che Spiel zu ver­hin­dern.

Die seit fünf Jah­ren in Stutt­gart durch­ge­führ­te Brand­schutz­er­zie­hung für Klein­kin­der in Kin­der­gär­ten ist ein Erfolg. Die­ser Ansicht sind die Ver­ant­wort­li­chen in Poli­tik und Feu­er­wehr ange­sichts der erreich­ten Zah­len wohl zu Recht. Etwa 3.500 Kin­der aus 100 Kin­der­gär­ten wur­den geschult unter nicht uner­heb­li­chen Auf­wand. Denn für jede Grup­pe sind fünf Ter­mi­ne vor­ge­se­hen. Neben einem Vor­ge­spräch mit den Erzie­he­rin­nen gibt es eines mit den Eltern. Dann natür­lich die Ter­mi­ne mit den Kin­dern selbst — ein­mal im Kin­der­gar­ten und ein­mal in einer Feu­er­wa­che. Abschlie­ßend gibt es ein Nach­ge­spräch, bei dem Resul­ta­te und Mei­nun­gen ein­ge­holt wer­den.

Dass die­se prä­ven­ti­ven Maß­nah­men not­wen­dig sind, dar­über besteht bei allen Betei­lig­ten Einig­keit. Die Zah­len spre­chen für sich. Etwa 80 Pro­zent der Brand­fäl­le, bei denen sich Jugend­li­che als Ver­ur­sa­cher iden­ti­fi­zie­ren las­sen, wer­den von ver­spiel­ten Klein­kin­dern aus­ge­löst. Hier han­delt es sich natür­lich nicht um mut­wil­li­ge Brand­stif­tun­gen, son­dern eher um den fas­zi­nier­ten aber feh­ler­haf­ten Umgang mit Streich­höl­zern oder Ker­zen. Offe­nes Feu­er zieht Kin­der eben magisch an und des­halb ist das päd­ago­gi­sche Kon­zept des Pro­jek­tes auch weni­ger auf Ver­bo­te aus­ge­rich­tet, son­dern auf den ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Umgang mit Feu­er. Und wenn doch mal was schief geht, soll wenigs­tens unver­züg­lich und feh­ler­frei die Feu­er­wehr geru­fen wer­den. Wie das jetzt funk­tio­niert, üben die Klei­nen mit Lie­dern und sogar eini­gen lebens­ech­ten Pro­be­an­ru­fen.

Durch­ge­führt wird das so erfolg­rei­che Pro­jekt bis­her aus­schließ­lich von den Kräf­ten der Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren. 70 Leu­te wur­den päd­ago­gisch geschult, tra­gen die gan­ze Arbeit ehren­amt­lich und sind eigent­lich an der Kapa­zi­täts­gren­ze ange­langt. Klaus Dal­fert, Vor­sit­zen­der des Stadt­feu­er­wehr­ver­ban­des bezeich­net die­sen Umstand bei einem Pres­se­ge­spröch denn auch als „klei­nen Wer­muts­trop­fen in einem groß­ar­ti­gen Pro­jekt.“ Er wür­de sich wün­schen, dass das Sys­tem auf eine „ande­re Basis“ gestellt wird, sprich: Dass die Berufs­feu­er­wehr die­ses Pro­jekt über­nimmt und mit Plan­stel­len durch­füh­ren kann. Der zustän­di­ge Ord­nungs­bür­ger­meis­ter woll­te sich dazu nicht recht durch­rin­gen. Auch er sieht zwar, dass die Bilanz „abso­lut beein­dru­ckend“ sei. „Ohne Ehren­amt wäre die­ser Kraft­akt nicht mög­lich gewe­sen.“ sag­te er. Aller­dings sicher­te er zu, „mehr Sys­te­ma­tik in das Pro­jekt zu brin­gen und es mög­lichst flä­chen­de­ckend anzu­bie­ten.“ Denn bis jetzt ist das Prä­ven­ti­ons­an­ge­bot auf Kin­der­gär­ten in den Außen­be­zir­ken beschränkt. In der Innen­stadt gibt es kei­ne Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren und die Kin­der­gär­ten müs­sen orts­nah bedient wer­den.

Wie genau eine gesamt­städ­ti­sche Ver­sor­gung orga­ni­siert wer­den kann, blieb offen, denn ohne neue Stel­len wird die Berufs­feu­er­wehr das Pro­jekt kaum stem­men kön­nen. Schon jetzt sei man mit der Brand­schutz­er­zie­hung, die obli­ga­to­risch in den Grund­schu­len durch­ge­führt wird, an der Kapa­zi­täts­gren­ze ange­langt. Schai­rer scheint aber ent­schlos­sen, die Sache vor­an­zu­brin­gen. „Einen Unter­schied zwi­schen innen- und Außen­be­zir­ken darf es nicht geben. Da wird man eine Lösung fin­den müs­sen,“ sag­te er. 

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zei­tung]
Spielerisch den Umgang mit den Flammen lernen

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