Kinderfreundliches Stuttgart ausgezeichnet

Pro­gno­sen kön­nen irren. So steigt ent­ge­gen aller Vor­her­sa­gen die Zahl der Gebur­ten wie­der an. Ein Teil zu die­ser Trend­wen­de bei­ge­tra­gen haben viel­leicht die viel­fäl­ti­gen Pro­jek­te, die Städ­te wie­der attrak­ti­ver für Fami­li­en zu machen. Eini­ge davon wur­den jetzt aus­ge­zeich­net und in einer Aus­stel­lung vor­ge­stellt.

Von Dirk Bar­an­ek

Kin­der hal­ten die Städ­te und Gemein­den leben­dig,“ sag­te Moni­ka Stolz, Lan­des­mi­nis­te­rin für Arbeit und Sozia­les bei der Eröff­nung der Aus­stel­lung „Woh­nen im Kin­der­land Baden-Würt­tem­berg“ im Rat­haus. Vor­ge­stellt wer­den dar­in die zwölf prä­mier­ten Pro­jek­te, die aus über 100 ein­ge­reich­ten Bei­trä­gen aus­ge­sucht wur­den und die bei­spiel­haft zei­gen sol­len, wie die Lebens­be­din­gun­gen von Fami­li­en und Kin­dern in den Kom­mu­nen mit kon­kre­ten Maß­nah­men ver­bes­sert wer­den kön­nen. Denn die Kon­se­quen­zen des demo­gra­phi­schen Wan­dels dro­hen die Grund­la­gen des städ­ti­schen Zusam­men­le­bens in Fra­ge zu stel­len. Des­halb sei die Ver­bes­se­rung der Infra­struk­tu­ren eine Dau­er­auf­ga­be, der sich die Poli­tik mit anspruchs­vol­len Ange­bo­ten stel­len müs­se. „Kin­der sol­len sich wohl füh­len und brau­chen Platz zum Spie­len und Toben.“ Begeis­tert zeig­te sich die Minis­te­rin ins­ge­samt von der Qua­li­tät der Bei­trä­ge des von ihrem Minis­te­ri­um und der Arbeits­ge­mein­schaft der baden-würt­tem­ber­gi­schen Bau­spar­kas­sen aus­ge­schrie­be­nen Wett­be­werbs. Dar­in zei­ge sich der hohe Stel­len­wert, den die­ses The­ma inzwi­schen habe. Aller­dings blei­be noch viel zu tun, doch der Bund und das Land sei­en dabei ein ver­läss­li­cher Part­ner der Kom­mu­nen, ver­si­cher­te sie. So wür­den fast eine hal­be Mil­li­ar­de Euro zusätz­lich zu den bereits vor­han­de­nen Mit­teln in den bei­den kom­men­den Jah­ren allein vom Land im Rah­men des Inves­ti­ti­ons­pro­gramms bereit­ge­stellt.

Freu­en kön­nen sich über die Ergeb­nis­se des Wett­be­werbs ins­be­son­de­re die Stutt­gar­ter Lokal­po­li­ti­ker. Immer­hin stammt ein Drit­tel der aus­ge­zeich­ne­ten Pro­jek­te aus der Lan­des­haupt­stadt. So wur­de die Stadt in der Kate­go­rie „Kom­mu­na­le Stra­te­gi­en und För­der­kon­zep­te“ mit einem zwei­ten Platz für die von Ober­bür­ger­meis­ter Schus­ter ange­sto­ße­nen Gesamt­stra­te­gie „Kin­der­freund­li­ches Stutt­gart“ gewür­digt. Beson­ders der Auf­bau des Netz­wer­kes aus Ver­wal­tung und pri­va­ten Initia­ti­ven sowie die Ent­schei­dung, die Anstren­gun­gen für mehr Kin­der­freund­lich­keit als Quer­schnitts­auf­ga­be in allen Berei­chen der Öffent­li­chen Hand zu ver­an­kern, habe eine Dyna­mik in Gang gesetzt, die die Stadt weit vor­an gebracht habe. Dass sich viel­leicht schon ers­te Anzei­chen einer posi­ti­ven Ent­wick­lung zei­gen, mach­te Bau­bür­ger­meis­ter Hahn deut­lich. Die Stadt habe erheb­li­che Anstren­gun­gen unter­nom­men und gebe inzwi­schen dop­pelt so viel Geld für Kin­der aus wie noch vor zehn Jah­ren. Ein Ergeb­nis sei die Tat­sa­che, dass die Innen­stadt für Fami­li­en wie­der attrak­ti­ver gewor­den sei. So ist der Wes­ten ent­ge­gen aller Vor­her­sa­gen inzwi­schen der gebur­ten­stärks­te Stadt­be­zirk. „Pro­gno­sen kön­nen irren,“ sag­te Hahn in Bezug auf die deut­li­che Trend­wen­de in der Geburts­sta­tis­tik.

Ins­ge­samt 35 Pro­jek­te aus der Lan­des­haupt­stadt haben sich an dem Wett­be­werb betei­ligt. Mit einem ers­ten Preis wur­de das Deger­lo­cher Jugend­haus Helen P. bedacht. Die Jury lobt die gelun­ge­ne Ver­bin­dung von alter und neu­er Archi­tek­tur sowie die dadurch mög­li­chen viel­fäl­ti­gen Ange­bo­te für Kin­der und Jugend­li­che. Einen Son­der­preis erhält der Erleb­nis­gar­ten der Niko­laus­pfle­ge, die sich vor allem um blin­de und seh­be­hin­der­te Men­schen küm­mert. In dem bar­rie­re­frei­en Gar­ten wer­den mit spe­zi­ell auf die­se Ziel­grup­pe abge­stimm­ten Ange­bo­ten die visu­el­len, moto­ri­schen und kogni­ti­ven Mög­lich­kei­ten der Kin­der und Jugend­li­chen geför­dert. Vor allem der Umstand, dass die Gestal­tung und Errich­tung des Gar­tens des Hau­ses am Dorn­busch­weg unter Ein­be­zie­hung von schu­li­schen und sozia­len Ein­rich­tun­gen voll­zo­gen wur­de, hat die Jury offen­sicht­lich über­zeugt. Eine Aner­ken­nung erhielt außer­dem ein pri­va­tes Pro­jekt in der Cann­stat­ter Glo­cken­stra­ße. Ein ehe­ma­li­ges Pro­duk­ti­ons­ge­bäu­de des Unter­neh­mens Mah­le wur­de von vier Fami­li­en ohne öffent­li­che För­de­rung unter dem Aspekt einer bes­se­ren Ver­bin­dung von Arbeit und Woh­nen umge­baut. Ent­stan­den sei ein Lebens­raum, der in die gesam­te Nach­bar­schaft aus­strahlt, und ent­wi­ckelt wur­de mit der „inno­va­ti­ven Kraft bür­ger­schaft­li­chen Enga­ge­ments“, so die Jury. Dies sei für die Zukunft der Städ­te und Gemein­den unab­ding­bar.

(Arti­kel für die Stutt­gar­ter Zei­tung / Lokal­teil)

Kinderfreundliches Stuttgart ausgezeichnet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.