Gefängnisstrafe für Kokaindeal

Ein Kilo Kokain wollte ein 34-Jährige Anfang des Jahres an den Mann bringen. Was er nicht wusste: Bei seinen Geschäftspartnern handelt es sich um verdeckte Ermittler des Landeskriminalamtes. Gestern wurde er vor dem Landgericht zu einer Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.

Dreieinhalb Jahre Gefängnishaft liegen vor einem 34-Jährigen, der Anfang April bei einem Drogengeschäft in Feuerbach verhaftet wurde. Trotz Vorstrafen, die er allerdings wegen anderer Delikte erhalten hatte, kam der im Alter von 12 Jahren aus dem ehemaligen Jugoslawien eingewanderte Mann bei dem gestrigen Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht noch recht glimpflich davon. Die Staatsanwaltschaft hatte viereinhalb Jahre Gefängnis gefordert, aber das Gericht hielt dem Angeklagten zugute, dass er mit der Polizei kooperiert habe, voll geständig sei und dass die Drogen komplett aus dem Verkehr gezogen werden konnten.

Die Verhandlung erlaubte einen kleinen Einblick in die ausgefeilten Methoden der hiesigen Strafverfolger, vor dem auch der Verteidiger den Hut zog: „Das sind echte Profis“, sagte er in einer Verhandlungspause. Anfang 2008 hatte der Beschuldigte zufällig eine Frau in dem Lokal Mauritius in der Marienstraße kennengelernt, die er als „eine Art Edelprostituierte“ wahrnahm. Neben der Vermittlung von billigen Zigaretten, die beiden kamen beim Rauchen auf der Terrasse des Lokals ins Gespräch, ging es schnell um die mögliche Lieferung von Rauschgift. Ein Bekannter habe ihm die Vermittlung solcher Geschäfte offeriert. Etwa ein Vierteljahr später habe er die Frau, die sich Tina nannte, in einer Bar in der Theodor-Heuss-Straße wiedergetroffen. Diese habe ihm von einer bevorstehenden Party erzählt und dass man dafür noch „weißes Pulver“ brauche, ob er das besorgen könne.

Was der Mann nicht wusste: Bei Tina handelte es sich um eine Vertrauensperson des Landeskriminalamtes.

Das Geschäft kam in Gang und endete schließlich Anfang April in der Wohnung eines Bekannten des Angeklagten in Feuerbach. Dort traf er sich mit einem Micha, einem angeblichen Vertrauten der Frau, und übergab die Ware. In Wahrheit handelte es sich bei Micha um einen verdeckten Ermittler des LKA, der das Kokain an sich nahm und den Mann zwecks Geldübergabe auf die Straße lockte, wo der polizeiliche Zugriff erfolgte. Danach wurde mit Hilfe des Mannes umgehend versucht, an dessen Lieferanten zu kommen, was aber in der City scheiterte.

Das Gericht folgte den Aussagen des reuigen Angeklagten und sah in den Begleitumständen des eher unprofessionellen eingefädelten Geschäfts dessen Angaben bestätigt, er habe das zum ersten Mal gemacht. 

[Artikel für den Lokalteil der Stuttgarter Zeitung]

Gefängnisstrafe für Kokaindeal

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