Anklage wegen Anlagebetrug

Ein 64-Jäh­ri­ger, der bei einem Anla­ge­be­trug in erheb­li­chem Umfang mit­ge­wirkt haben soll, wur­de ges­tern vor dem Land­ge­richt ange­klagt. Der bis­her nicht auf­fäl­lig gewor­de­ne KFZ-Unter­neh­mer soll mit einem Kom­pli­zen drei Geschä­dig­te um mehr als 700.000 Euro gebracht haben. Ges­tern ver­such­te das Gericht ein Geständ­nis zu errei­chen.

Ist es die Über­zeu­gungs­kraft und kri­mi­nel­le Ener­gie des Betrü­gers oder die Leicht­fer­tig­keit raff­gie­ri­ger Anle­ger? Wel­cher Fak­tor letzt­end­lich den Aus­schlag gibt bei der Anbah­nung und Durch­füh­rung von Betrugs­de­lik­ten, bei denen Pri­vat­leu­te gro­ße Geld­sum­men auf Grund enor­mer Ren­di­te­ver­spre­chun­gen ande­ren über­las­sen, ist die Auf­ga­be, vor deren Klä­rung dann die Gerich­te ste­hen. So auch ges­tern vor der 17. Gro­ßen Straf­kam­mer am Land­ge­richt. Dort wur­de von der Staats­an­walt­schaft Ankla­ge erho­ben gegen einen 64-Jäh­ri­gen wegen gemein­schaft­li­chen und gewerbs­mä­ßi­gen Betrugs.

Zusam­men mit einem wei­te­ren ein­schlä­gig vor­be­straf­ten und zur­zeit ein­sit­zen­den Haupt­tä­ter soll der Ange­klag­te im Som­mer 2004 in drei Fäl­len ins­ge­samt 725.000 Euro ein­ge­sam­melt und danach zumin­dest teil­wei­se in die eige­nen Taschen gelei­tet haben. Ver­spro­chen wur­den den Geschä­dig­ten bei angeb­li­chen Geschäf­ten mit so genann­ten Bank­ga­ran­ti­en Ren­di­ten von bis zu zehn Pro­zent vom ein­ge­reich­ten Kapi­tal — pro Woche! In einem ande­ren Fall wur­den dem Opfer Antei­le an einem lukra­ti­ven Geschäft mit einer Büro­im­mo­bi­lie ver­kauft. Der Mann über­wies dar­auf­hin eine hal­be Mil­li­on Euro auf ein Kon­to nach Öster­reich, das dann von dem Ange­klag­ten und des­sen Mit­tä­ter abge­räumt wur­de. Wo das Geld blieb, ist unklar.

Wie der bis­her poli­zei­lich nicht in Erschei­nung getre­te­ne Beschul­dig­te, der 1966 aus Kroa­ti­en nach Deutsch­land kam und sich hier eine zunächst gut gehen­de und dann kri­seln­de KFZ-Werk­statt in Stamm­heim auf­bau­te, der Stutt­gar­ter Zei­tung in einer Ver­hand­lungs­pau­se schil­der­te, sei er selbst gut­gläu­big auf die Ver­spre­chun­gen des alten Bekann­ten her­ein­ge­fal­len. „Ich war so blöd und habe ihm gehol­fen,“ sag­te er. Inzwi­schen habe er sei­ne Fir­ma, sein beschei­de­nes Ver­mö­gen und sei­nen guten Namen ver­lo­ren. Er leg­te Wert auf die Fest­stel­lung, dass er seit sei­ner Ankunft in Deutsch­land jeden Tag gear­bei­tet habe und bis heu­te sein Aus­kom­men allein bestrei­te.

Ges­tern ver­such­ten Gericht, Staats­an­walt­schaft und Ver­tei­di­gung zu einer Ver­ab­re­dung außer­halb des Gerichts­saals zu kom­men. Dabei ging es wohl um eine Abspra­che, bei der geklärt wird, wel­ches Straf­maß der Ange­klag­te zu erwar­ten hat, wenn er die ihm zur Last geleg­ten Straf­ta­ten ein­ge­steht. „So etwas ist durch­aus üblich in sol­chen Ver­fah­ren,“ sag­te der ankla­gen­de Staats­an­walt See­ger in einem all­ge­mei­nen Hin­ter­grund­ge­spräch ohne sich kon­kret zu die­sem Fall zu äußern. Meist lie­ge ein sehr kom­pli­zier­ter Ver­lauf vor. Es sei oft sehr schwie­rig, im ein­zel­nen genau nach­zu­wei­sen, was mit dem Geld pas­siert sei, d.h. ob es zu pri­va­ten Zwe­cken ver­un­treut oder viel­leicht doch, wenn auch erfolg­los, ange­legt wor­den sei. „Meis­tens ist das Geld aber weg,“ sag­te See­ger. 

[Arti­kel für den Lokal­teil der Stutt­gar­ter Zei­tung]

Anklage wegen Anlagebetrug

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