Staatsvertrag verhindert Start von Google Hangouts On Air in Deutschland

Wie heu­te offi­zi­ell bekannt wur­de, star­tet Goog­le sei­nen neu­en Video­strea­ming­dienst Goog­le Han­gouts On Air — welt­weit. Deutsch­land bleibt aber außen vor. Schuld ist der gel­ten­de Rund­funk­staats­ver­trag.

G+ Han­gouts On Air welt­weit
Heu­te hat Goog­le ange­kün­digt eine Funk­ti­on bei G+ welt­weit frei­zu­schal­ten, die es bis­her nur in den USA gab. Es geht um Han­gouts On Air. Fol­gen­de Funk­tio­nen machen die Aus­strah­lung von selbst pro­du­zier­ten Web-TV zum Kin­der­spiel:

  • Bis zu 10 Per­so­nen kön­nen mit Hil­fe in fast allen Rech­nern anzu­tref­fen­der Tech­nik an einer Art Video­kon­fe­renz teil­neh­men.
  • Die­se Video­kon­fe­renz wird via You­Tube öffent­lich und welt­weit zugäng­lich live gestreamt.
  • Der Live­stream wird bei You­Tube auf­ge­zeich­net und steht nach­träg­lich zur Ver­fü­gung.

Das ist zwar eigent­lich nichts neu­es: Sol­che Diens­te gibt es schon jetzt (zB Live­stream). Pro­blem dabei: sie kos­ten erheb­li­che Gebüh­ren. Meh­re­re hun­der­te Dol­lar sind zumeist fäl­lig, um eine wer­be­frei Umge­bung zu erhal­ten und unbe­grenz­te Zuschau­er­zah­len zu ermög­li­chen. Bei Goog­le soll es das gesam­te Pro­gramm kos­ten­los geben! Ein attrak­ti­ves Ange­bot, für alle, die ein­fach mal selbst Fern­se­hen machen wol­len, inter­ak­tiv, für die gan­ze Welt. Tol­le Sache eigent­lich, nur eben nicht in Deutsch­land. Denn: in der Lis­te der Län­der, in denen Goog­le den Dienst seit heu­te anbie­tet, fehlt „Ger­ma­ny“.

Kein Fern­se­hen ohne Geneh­mi­gung
Wie auf der re:publica zu erfah­ren war, steht einer Ein­füh­rung in Deutsch­land der gel­ten­de Rund­funk­staats­ver­trag ent­ge­gen, auf dem das gesam­te Fern­seh- und Radio­ge­sche­hen so wie wir es aktu­ell ken­nen, basiert.
Kon­kret heißt es in §2 Abs.3.1:

Kein Rund­funk sind Ange­bo­te, die jeden­falls weni­ger als 500 poten­zi­el­len Nut­zern zum zeit­glei­chen Emp­fang ange­bo­ten wer­den.“

Bedeu­tet im Umkehr­schluss: wenn mehr als 500 poten­zi­ell (!) zuschau­en kön­nen, wie es ja bei You­Tube der Fall sein soll, dann han­delt es sich um Rund­funk. In die­sem Fall kommt der Ver­trag ins Spiel. Der hat es in sich, denn hier­zu­lan­de kann nicht ein­fach jeder in die Welt sen­den, wie er will. Das muss geneh­migt wer­den und geneh­migt wird nur, was den Regeln ent­spricht. Die sind zwar inhalt­lich irrele­vant, aber umfang­reich und nur kost­spie­lig umzu­set­zen.

Man muss lei­der fest­stel­len: Die­ser Ver­trag ent­spricht nicht mehr der Lebens­wirk­lich­keit der Men­schen. Denn: mit Hil­fe des Inter­net kann zwar end­lich jeder zu gerings­ten Kos­ten sen­den, aber inter­es­sie­ren wird das zumeist nur weni­ge. Von daher könn­te man den Ver­trag zum Bei­spiel so ändern, dass For­ma­te, die 5 Live­ta­ge mehr als 10.000 Zuschau­er gleich­zei­tig haben, wie Rund­funk zu behan­deln ist. Die sich dann an den Ver­trag hal­ten müs­sen.

Die aktu­el­le Rege­lung passt nicht in die Zeit.

Staatsvertrag verhindert Start von Google Hangouts On Air in Deutschland

14 Gedanken zu „Staatsvertrag verhindert Start von Google Hangouts On Air in Deutschland

  1. Markus Hündgen schreibt:

    Der Ver­trag ist zwar Uralt-Bana­ne, aber die 500 zeit­glei­chen Zuschau­er (rei­ne techn. Reich­wei­te ist gemeint) ist nur EINES von diver­sen Kri­te­ri­en, die einen Lizenz­an­trag nötig machen könn­ten. Viel wich­ti­ger sind ande­re Kri­te­ri­en wie redak­tio­nel­ler Auf­bau, Regel­mä­ßig­keit etc. Dazu gibt es eine offi­zi­el­le Check-Lis­te der Medi­en­an­stal­ten: http://www.die-medienanstalten.de/fileadmin/Download/Rechtsgrundlagen/Richtlinien/Checkliste_Web-TV.pdf

    1. Dirk Baranek schreibt:

      Dan­ke für den Hin­weis. Aber ist es nicht so: zunächst müs­sen die 500 über­schrit­ten wer­den und dann muss man die Kri­te­ri­en erfül­len, um eine Lizenz zu erhal­ten?

  2. Was genau ist denn in Deutsch­land nicht ver­füg­bar: „nur“ das Erstel­len von Han­gouts On Air oder sogar das Zuse­hen a la „in dei­nem Land nicht ver­füg­bar“?

  3. Dirk Baranek schreibt:

    Funk­ti­on steht ein­fach nicht zur Ver­fü­gung. Ob und wie man das umge­hen kann, wird man sehen.

  4. Markus Hündgen schreibt:

    Die 500 sind nur ein Kri­te­ri­um. Wer also 390 zeit­glei­che Zuschau­er hat, das jeden Abend, dort Leu­te inter­viewt und regel­mä­ßig von SpOn ange­kün­digt wird, soll­te sich um eine Lizenz bemü­hen… aber das ist dann trotz­dem noch Aus­le­gungs­sa­che der jewei­li­gen Lan­des­me­di­en­an­stalt.

  5. Volkmar schreibt:

    Wie wür­den die LMA (wie ger­ne wür­de ich noch ein „A“ hin­zu­fü­gen …) denn ein Ange­bot bewer­ten, wenn der Ser­ver in NL steht, die TLD der Domain nicht .de ist, das Ange­bot aber in Deutsch von deut­schen Staats­bür­gern ohne recht­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­form ist … ?

    1. Dirk Baranek schreibt:

      Ent­schei­dend dürf­te die Adres­se im Impres­sum sein. Auf aus­län­di­sche Ange­bo­te haben die LMAs kei­nen Ein­fluss.

  6. […] Han­gout on Air in den USA und ande­ren Län­dern ein­ge­führt wur­de und nicht in Deutsch­land, wur­de dar­über dis­ku­tiert, ob die­se Funk­ti­on in Deutsch­land am Rund­funk­staats­ver­trag schei­tert, der nach §2 Abs.3.1 Ange­bo­te zum zeit­glei­chen Emp­fang ab 500 poten­zi­el­len Nut­zern als Rund­funk […]

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