Armut zerstört die Würde des Menschen

Ein Bischof aus Burun­di ist Ehren­gast bei der Fei­er der katho­li­sche Diö­ze­se zum 50-jäh­ri­gen Jubi­lä­um von Mise­re­or

 Zum Start der dies­jäh­ri­gen Fas­ten­ak­ti­on des katho­li­schen Hilfs­werks Mise­re­or in der Diö­ze­se Rot­ten­burg-Stutt­gart fand ges­tern ein bun­ter Got­tes­dienst in der Kir­che St. Georg statt. Ehren­gast war Bischof Joseph Ndu­hiru­bu­sa aus Burun­di, der in sei­ner Pre­digt Hil­fe zur Selbst­hil­fe for­der­te.

 Mit einem bun­ten Got­tes­dienst fei­er­te ges­tern die katho­li­sche Diö­ze­se Rot­ten­burg-Stutt­gart in der Kir­che St. Georg den Start der Fas­ten­ak­ti­on 2008, die in die­sem Jahr unter dem The­ma „Mit Zorn und Zärt­lich­keit auf der Sei­te der Armen“ steht. Beson­ders fei­er­lich wur­de der Anlass aus­ge­stal­tet, da in die­sem Jahr das 50-jäh­ri­ge Jubi­lä­um des Hilfs­werks Mise­re­or began­gen wer­den konn­te. Ehren­gast war Bischof Joseph Ndu­hiru­bu­sa, seit 1980 Ober­hir­te der Diö­ze­se Ruy­igi im Osten des zen­tral­afri­ka­ni­schen Staa­tes Burun­di.

 Das frucht­ba­re Land zwi­schen Vik­to­ria- und Tangan­ji­ka­see, das jahr­zehn­te­lang unter poli­ti­schen Unru­hen und Kon­flik­te zwi­schen den Volks­grup­pen heim­ge­sucht wur­de, ist eines der ärms­ten Län­der der Welt. Die Fol­gen für die meist länd­li­che Bevöl­ke­rung in dem dicht besie­del­ten Land sind fatal. Mehr als 60 Pro­zent leben unter­halb der Armuts­gren­ze und jeder Drit­te ist tag­täg­lich von Hun­ger betrof­fen. In sei­ner auf deutsch gehal­te­nen Pre­digt pran­ger­te Bischof Ndu­hiru­bu­sa denn auch die „spi­ri­tu­el­le und mate­ri­el­le Armut“ an, unter der die Men­schen in wei­ten Tei­len Afri­kas zu lei­den hät­ten.

 Aus­beu­tung, Gewalt, feh­len­de Bil­dung, Man­gel an Lebens­mit­teln und nicht exis­ten­te Gesund­heits­ver­sor­gung, all die­se Ver­hält­nis­se sei­en zu pro­vo­zie­rend, um dar­über hin­weg­zu­se­hen. „Alle For­men die­ser Armut ver­let­zen und zer­stö­ren die Wür­de der Men­schen,“ sag­te Ndu­hiru­bu­sa. Er dank­te „den Brü­dern und Schwes­tern im Nor­den“ für die Hil­fe in den letz­ten Jahr­zehn­ten, die dazu bei­tra­ge, dass sich die Men­schen selbst ent­wi­ckeln könn­ten.

 Hil­fe zur Selbst­hil­fe steht denn auch im Zen­trum der Akti­vi­tä­ten von Mise­re­or, das mit den Spen­den­gel­dern den Auf­bau von Struk­tu­ren unter­stützt, um burun­di­schen Klein­bau­ern ein Aus­kom­men zu sichern. Dabei küm­mert man sich vor allem um die Kaf­fee­bau­ern, meist Klein­pro­du­zen­ten, damit die­se sich auf dem unge­rech­ten Markt bes­ser behaup­ten kön­nen. Es wer­den selbst­ver­wal­te­te Sam­mel­stel­len ein­ge­rich­tet und der Auf­bau einer natio­na­len Inter­es­sen­ver­tre­tung logis­tisch unter­stützt. Mit Erfolg, denn die Pro­jek­te haben eine sol­che Wachs­tums­dy­na­mik ent­fal­tet, dass es der Orga­ni­sa­ti­on im Moment an Kapa­zi­tä­ten fehlt, um allen Nach­fra­gen nach Grün­dung und Unter­stüt­zung ört­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen nach­zu­kom­men. „Mise­re­or will die Men­schen errei­chen, um ihr Poten­zi­al zur vol­len Ent­fal­tung zu brin­gen,“ sag­te Ndu­hiru­bu­sa in sei­ner Pre­digt. Die zahl­rei­chen Anstren­gun­gen könn­ten die­se zwar nicht sofort aus der Armut befrei­en, brin­ge ihnen aber Ermu­ti­gung und Lebens­freu­de.

 Ein wenig afri­ka­ni­sche Emo­tio­nen wur­den dann auch in die zahl­reich erschie­nen Gläu­bi­gen trans­por­tiert. Der Auf­tritt des Cho­res der hie­si­gen gha­nai­schen Gemein­de in leuch­tend roten Gewän­dern und von Trom­meln beglei­tet war der Höhe­punkt eines Got­tes­diens­tes, der die welt­wei­te Soli­da­ri­tät der katho­li­schen Chris­ten ein­dring­lich vor Augen führ­te.

 [Der Arti­kel ist am 18. Febru­ar 2008 in der STUTTGARTER ZEITUNG erschie­nen]

Armut zerstört die Würde des Menschen

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