Online-Marketing für Gastronomen: kostengünstig, effektiv, nachhaltig

Nach zehn Jahren Internet kann man feststellen: Wer nicht drin ist im weltweiten Web, den gibt es nicht. Ohne digitales Informationsangebot kann heute kein erfolgreiches Marketing für gastronomische Dienstleistungen betrieben werden. Die Gäste haben es zu schätzen gelernt, sich vor  dem Restaurantbesuch und der Hotelbuchung Informationen auf den heimischen Bildschirm zu holen. Überraschungen sind unerwünscht und bei der Kaufentscheidung spielt der Eindruck, den ein Unternehmen im Internet hinterlässt, eine wichtige Rolle. 

Qualität muss nicht teuer sein

Ein normaler Internetauftritt, der allen Qualtitätsansprüchen bezüglich Informationstiefe, Handhabbarkeit, Imagebildung und Pflegemöglichkeiten genügt, muss nicht Tausende von Euro kosten. Denn grafischer Schnickschnack oder aufwendig programmierte Bewegtbilder, vielleicht noch mit Musik garniert, werden zwar gerne von kreativen Agenturen als allein selig machend angepriesen, nutzen aber dem Marketing-Ziel eines Unternehmens eher weniger. Eventuell stören sie sogar. Es sind heute genügend Systeme und Dienstleister auf dem Markt, die für kleines Budget alles bieten, was ein Unternehmen braucht, um erfolgreiches Online-Marketing zu realisieren. Etwas online erfahrene Gastronomen oder Mitarbeiter kommen mit diesen selbst erklärenden so genannten Content Management Systemen ohne weiteres zurecht und können die Erstellung und Pflege der Seiten aus eigener Hand realisieren. 

 

Die Website ist da – und nun?

Sie verfügen nun also über umfangreiche Internetseiten, auf denen Sie mit Text und Bild detailliert über Ihr Haus, Ihr Team und Ihre Angebote informieren. Für ein erfolgreiches Online-Marketing ist das eine gute Basis, allerdings geht die Arbeit jetzt erst richtig los. Es muss dafür gesorgt werden, dass dieses Angebot aufgerufen wird. Ziel dabei: Die eigene Homepage zum Dreh- und Angelpunkt der gesamtem Kommunikation mit den Kunden machen. Neben der Kommunikation der Webadresse in allen gedruckten Werbematerialien steht dabei die Strategie im Vordergrund, das Unternehmen inklusive Webadresse in allen einschlägigen Datenbanken und Informationsportalen einzutragen. Auf kostenpflichtige Dienste kann dabei verzichtet werden. Es gibt genug Info-Portale, die werbefinanziert sind und die Unternehmen, die Informationen über sich dort eintragen, mit offenen Armen empfangen. In Frage kommen Portale, die über gastronomische Angebote informieren oder solche, die eine regionale Ausrichtung haben. Neben den reinen Kontaktdaten können meist noch kurze Beschreibungen oder Fotos veröffentlicht werden und – ganz wichtig – ein Link auf die eigene Website. 

 

Der Google-Effekt: Links, Links, Links

Beim Online-Marketing spielen Suchmaschinen eine entscheidende Rolle. Die Mehrheit der Surfer sucht dort nach praktischen Informationen in unmittelbarer Nachbarschaft, zu über 90 Prozent bei Marktführer Google. Diesen Umstand kann jedes Unternehmen nutzen, um neue Gäste auf sich aufmerksam zu machen. Das Ziel muss dabei sein, bei der Suchabfrage nach bestimmten Begriffen in die ersten zehn Suchergebnisse zu gelangen. 

Google entscheidet über die Rangfolge nach der Größe der vermuteten Relevanz des Angebots für den Suchenden. Nehmen wir an, Sie hätten ein Restaurant mit dem Namen „Der Turm“ in Neustadt und haben sich auf Wildgerichte spezialisiert. Klar ist: Wenn ein Nutzer nach „Restaurant Turm Neustadt“ sucht, wird er Sie sofort finden. Aber interessanter ist die Frage, was passiert, wenn nach „Wildgerichte Neustadt“ gesucht wird. Denn jetzt besteht die Chance, einen neuen Gast zu gewinnen, jemanden der bisher noch nichts vom Wildangebot des Turm wusste. Google entscheidet über die Position in den Ergebnislisten nach zwei verschiedenen Kriterien, inneren und äußeren. 

Bei den inneren werden Inhalte ausgewertet, die sich auf Ihrer Website befinden. Bedeutet: Wenn viele aktuelle Inhalte zum Thema „Wild“ vorhanden sind, ziehen die Suchmaschinen daraus den Schluss, dass der Anbieter eine spezielle Kompetenz bei diesem Thema aufweist. Konkret: beschreiben Sie bereits auf der Startseite, dass Sie Wildspezialitäten anbieten; beschreiben Sie Ihr Angebot auf einer Unterseite mit Namen „Wild“ ausführlich (Fleischsorten, Zubereitung, Lieferanten etc); wenn eine Weinkarte Teil Ihres Informationsangebotes ist, fügen Sie Empfehlungen zu den Wildgerichten hinzu usw.. Viel hilft hier wirklich viel! 

Die externen Kriterien sind schwerer zu beeinflussen, denn es geht um die Informationen über ihr Wildangebot auf den Webseiten Dritter. Ein Bericht in der Online-Ausgabe Ihrer Lokalzeitung, ein Hinweis auf Sie in einem Forum, ein Link mit Kurztext in der Referenzliste Ihres Wildlieferanten – all diese Hinweise und Verlinkungen werden von automatischen Prigramymen erfasst und ausgewertet. Je mehr Links im Themenumfeld „Wild“ auf Ihre Website verweisen, desto höher wird die Relevanz ihres Angebotes eingestuft. Sicher, diese externen Links bekommt man nicht von heute auf morgen, aber jeder Kontakt mit Medien, Partnern, Kunden, lokalen Datenbanken, Foren usw. sollte genutzt werden, um auf eine Ihren Suchbegriffen adäquate Verlinkung zu dringen. 

 

E-Mail-Marketing: wirksam und kostenneutral

Immer mehr Gastronomen entdecken die effizienten Möglichkeiten, per E-Mail gezielt Marketing zu machen. Denn dieses Tool erlaubt die direkte Kundenansprache zu Kosten, die im Vergleich zur Briefpost verschwindend gering sind. Allerdings sind ein paar Dinge zu beachten, um sich rechtlich auf der sicheren Seite zu bewegen und bei den Empfängern kein Gefühl der Belästigung zu erzeugen.

Es gilt das Prinzip: E-Mail niemals unverlangt zusenden! Deshalb müssen E-Mail-Adressen konsequent gesammelt werden, am besten im Unternehmen selbst. So kann man den Restaurant-Gästen mit der Rechnung einen kleinen Zettel aushändigen, auf dem die Adresse vermerkt werden kann, zusammen mit der Zustimmung, einmal im Monat eine Mail zu erhalten. Oder einmal in der Woche, wenn man die Wochenkarte an Mittagstischler versendet. 

Im Unternehmen muss der Prozess der Adress-Verwaltung organisiert werden, die meisten E-Mail-Programme bieten entsprechende Funktionen. Jetzt kommt es nur darauf an, die Texte für den Newsletter zusammenzustellen und für einen getakteten Versand zu sorgen. Stellen Sie sich vor, innerhalb eines Jahres 1.000 E-Mail-Adressen zu sammeln. Die Chance, dass die nächste Aktion  ausgebucht ist, erscheint nun ziemlich realistisch. 

Noch drei Hinweise zur elektronischen Post. Die Gesetzeslage schreibt die Angabe aller Unternehmensdaten in geschäftlichen E-Mails vor. Name des Geschäftsführers und die UstID dürfen ebenso wenig fehlen wie Kontaktdaten. Achten Sie beim Versand des Newsletters unbedingt darauf, die Empfänger-Adressen versteckt einfügen (in das Adressfeld BCC), sonst kann jeder Empfänger lesen, wer im Verteiler ist. Zum dritten: E-Mails müssen innerhalb von 24 Stunden beantwortet werden. Die Antwort kann kurz sein, aber noch bestehen bei vielen Anwendern Unsicherheiten, ob eine Mail den gewünschten Empfänger auch wirklich erreicht hat. 

 

Fazit

Online-Marketing muss nicht teuer sein und bietet viele Chancen. Kurzfristige Erfolge sind  schwieriger zu erreichen. Langfristige Strategien und Kontinuität zahlen sich dafür nachhaltig aus.

 

Wichtige Info-Portale mit kostenlosem Selbsteintrag:

www.restaurant-kritik.de, www.marcellinos.de, www.qype.de, www.listing.allesklar.de, www.maps.google.de

 

Günstige Websysteme

www.jimdo.de, www.typo3.de, www.joomla.de, www.wordpress.de

 

Wo bin ich verlinkt?

http://www.linkvendor.com/seo-tools/domain-popularity.html

Online-Marketing für Gastronomen: kostengünstig, effektiv, nachhaltig

Besserer Service mit Internettelefonie

Wer bei der Stadtverwaltung anruft, wird jetzt mit digitaler Technik bedient

Mit dem Ziel verbesserter Kundenfreundlichkeit ist in den letzten Monaten die zentrale Vermittlungsstelle der Stadtverwaltung auf Digitaltechnik umgerüstet worden. Telefonische Anfragen sollen jetzt schneller bearbeitet werden.

Die Zukunft ist digital, auch bei der Stadtverwaltung. Das wurde bei der Einweihung der neuen Telefonvermittlung deutlich, die gestern von Verwaltungsbürgermeister Klaus-Peter Murawski und von Hans-Georg Edlefsen, Vorstandsmitglied der EnBW Regional AG, vorgenommen wurde. Anfang des Jahres im Testbetrieb gestartet ist die neue Anlage inzwischen voll im Einsatz und soll, so Murawski, „die Stadt weiterbringen in Richtung optimaler Kundenfreundlichkeit.“

Wie die neuen Zeiten aussehen, wird beim ersten Blick auf die Arbeitsplätze klar, die bei der EnBW als städtischer Dienstleister in einem Großraumbüro in der Stöckachstraße eingerichtet sind. Bestanden die Vermittlungsgeräte der 13 Mitarbeiter bisher aus mit vielen markierten Tasten versehenen Telefonanlangen, schauen sie jetzt auf Computermonitore und telefonieren per Headset mit den Rat suchenden Bürgern. Die etwa 3.000 Anrufe pro Tag werden mit der Voice-Over-IP-Technik bearbeitet, allgemein auch als Internettelefonie bekannt.

Für den Anrufer ändert sich dadurch zunächst einmal gar nichts. Die Technik bietet aber bei der Bearbeitung viele Vorteile, zum Beispiel die Anbindung an städtische Informationssysteme in Echtzeit. Während die Vermittler bisher mit Ordnern und Telefonbüchern den richtigen Ansprechpartner aus den fast 7.000 städtischen Einzelanschlüssen heraussuchen mussten, haben sie jetzt direkten Zugriff auf das digitale, durchsuchbare Telefonverzeichnis der Verwaltung. Außerdem können die Anrufer per Mausklick direkt zu allen Anschlüssen der städtischen Behörden durchgestellt werden, was bisher technisch nur schwer möglich war. Stattdessen konnte manchmal nur die Nummer des betreffenden Anschlusses genannt werden, die der Bürger dann wieder selbst wählen musste. Außerdem wurde durch die neue Technik die stetige Optimierung der Vermittlungs- und Auskunftsvorgänge verbessert. Alle Anrufe werden inklusive Bearbeitungsvorgang anonym erfasst und statistisch ausgewertet. „Wir wissen jetzt endlich genau, was überhaupt passiert,“ sagt Hans-Georg Edlefsen.

EnBW und Verwaltung treffen sich regelmäßig, um auf der Basis der Ergebnisse Anpassungen zu diskutieren. Mit den Erkenntnissen soll sichergestellt werden, dass jeder Anrufer nach höchstens 30 Sekunden Wartezeit von einem Mitarbeiter des Call-Centers in Empfang genommen wird. Theoretisch kann jeder Bildschirmarbeitsplatz in der Stadtverwaltung an das System angeschlossen werden und zu Spitzenzeiten Auskunfts- und Vermittlungstätigkeiten übernehmen.

 [Der Artikel ist am 11. Oktober 2007 in der STUTTGARTER ZEITUNG erschienen]

Besserer Service mit Internettelefonie

Her die Kreuzchen: Wahlkampf im Internet

Am 26. März wird in Baden-Württemberg gewählt. Kaum ein Kandidat kommt heutzutage noch ohne Homepage im Internet aus. Neue Technik hilft dabei, mit wenigen Handgriffen die Auftritte der Kandidaten den jeweils passenden Kampagnen der Parteien anzupassen.

 Schwarz-grüne Technik-Koalition: TYPO 3

Was die Technik betrifft, gibt es im Internet bereits eine schwarz-grüne Koalition: CDU und Grüne setzen auf das gleiche System, um die Inhalte auf ihren Internetseiten zu veröffentlichen und zu aktualisieren. Es handelt sich dabei pikanterweise um TYPO3, eine lizenzfreie und damit sehr preisgünstige Anwendung, die es erlaubt, ohne Programmierkenntnisse komplexe Webseiten zu steuern. Normalerweise kosten solche Systeme, die von einer Reihe mittelständischer Unternehmen angeboten werden, eine Menge Geld. TYPO3 hingegen ist gratis, weil es von einer internationalen Heerschar Freiwilliger programmiert wird, die die Ergebnisse ihrer Arbeit im Rahmen einer Open-Source-Lizenz jedem zur Verfügung stellen.

Die CDU garantiert E-Mail-Feedback

Damit verwirklichen sie nicht gerade ein konservatives Wirtschaftsprogramm, was aber Florian C. Weller, Internetbeauftragter beim Landesvorstand der CDU Baden-Württemberg, nicht anficht. Er freut sich über die professionellen Möglichkeiten des komfortablem Systems und die niedrigen Kosten. Die drücken in Wahlkampfzeiten an allen Ecken und Enden. Zum Opfer fielen dem notorisch knappen Budget schon interaktive Möglichkeiten wie Online-Foren oder Weblogs, in denen die Nutzer öffentlich lesbare Diskussionen führen oder Kommentare hinterlassen können. „Wir haben einfach nicht genug Leute, um die vielen Einträge zu kontrollieren und bei Bedarf moderierend einzugreifen,“ bedauert Weller. Immerhin garantiert er, dass jede Anfrage, die Interessierte per E-Mail an die CDU-Zentrale schicken, innerhalb von 48 Stunden beantwortet wird. Selbst das erfordert bereits die Unterstützung externer Dienstleister, denn es kommen pro Tag dutzende Mails.

Kampagne verknüpft Großplakat und Internet

Zum Wahlkampf hat die CDU-Landeszentrale neue Webseiten für die Partei (www.cdu-bw.de) und den Spitzenkandidaten installiert. Die einzelnen Kandidaten erhalten zwar ein zentrales Angebot auf Unterstützung, aber die meisten organisieren die eigene Homepage, ohne die heute kein Kandidat mehr auskommt, mit ihren jeweiligen Unterstützer-Teams. Die so entstandenen Webseiten sehen denn auch recht unterschiedlich aus – und sind alle ein bisschen Orange, der neuen Parteifarbe. Weller hat damit kein Problem, wenn die von der Bundespartei vorgegebenen Gestaltungsrichtlinien nur bruchstückhaft umgesetzt werden. „Die CDU ist eine lebendige Volkspartei mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten. Wir sind kein Unternehmen, das komplett stromlinienförmig gestaltet ist. Die Internetseiten sollen die Persönlichkeit des Kandidaten wiederspiegeln, das ist das Wichtigste.“ Zentral gesteuert wird die CDU in der heißen Phase der Kampagne mit einer Verbindung von Großplakat und Internet aufwarten. Unter www.darumcdu.de werden Plakatmotive aufgenommen und Themen vertieft. Ob die CDU mit bezahlter Online-Werbung die Kampagne unterstützen wird, will Weller nicht verraten, betont aber zugleich die wichtige Rolle von nur intern zugänglichen Info-Portalen für die Komunikation mit den vielen Wahlkampfhelfern.

SPD setzt auf zentrale Plattform

Das ist auch für Andreas Reißig, Pressesprecher der SPD Baden Württemberg, ein wesentlicher Punkt bei der Nutzung der neuen Medien im Wahlkampf. Allerdings geht die SPD bei den zentralen Dienstleistungen noch wesentlich weiter. „Unsere Internetstrategie beinhaltet die Bereitstellung einer zentralen Plattform für alle Kandidaten und Partei-Gliederungen. Das gesamte System ist darauf angelegt, Kampagnen zu unterstützen.“ Jeder Kandidat kann mit einer relativ unkomplizierten Computeranwendung eigene Inhalte veröffentlichen und seine persönliche Homepage im SPD-Look aktuell halten. Es können wie bei einem Textverarbeitungsprogramm Bilder integriert, Nachrichten-Feeds von SPD-Redaktionen eingespeist, Terminlisten angefertigt und Downloads bereit gestellt werden.

Kampagne auf Knopfdruck

Reißig, der mit dem System seine eigene Website unter www.andreas-reissig.de betreibt, zeigt sich begeistert: „Jemand aus meinem Team hat eine zweistündige Schulung gemacht und innerhalb von drei Tagen hatten wir ein attraktives Angebot. Und das beste ist: Mit einem Knopfdruck kann das Erscheinungsbild komplett geändert und an die jeweilige Kampagne angepasst werden.“ Durch die Trennung der Inhalte von der Gestaltung bei Schriften und grafischen Elementen ist es möglich, im System neue, Templates genannte Vorlagen bereit zu stellen, aus denen der Anwender auswählen kann. Ein Klick und die gesamte Website sieht völlig anders aus. Der Kostenvorteil ist immens, vor allem für die Kandidaten, die mit 50 € im Jahr dabei sind. Gewisse Einschränkungen können da in Kauf genommen werden, denn eine bestimmte Fläche jeder individuellen Kandidatenseite ist für den Landesverband reserviert, der dort eine bunte Linksammlung auf die zentralen Angebote der Landes-SPD präsentiert. Der Wahlkampf auf Knopfdruck hat seine eigenen Gesetze.

[Der Artikel wurde am 1. März 2006 in der Stuttgarter Zeitung veröffentlicht.]

Her die Kreuzchen: Wahlkampf im Internet

Wo die schönen Bilder sind: www.flickr.com

Die digitale Revolution der Fotografie ist fast vollzogen. Inzwischen sind 90% aller verkauften Apparate digitale Geräte und die meisten Handys haben integrierte Kameras. Das Aufnehmen von Bildern ist so billig wie nie geworden und es geschieht massenhaft. Das ist aber nur der erste Schritt. Der nächste findet mit Fotoportalen im Internet statt.

Fotos bleiben digital

Überall und jederzeit wird fotografiert. Aber wo bleiben all die Millionen Bilder, die tagaus tagein geknipst werden? Noch werden brav Papierabzüge bestellt oder es wird ausgedruckt – zum Lagern in Kartons oder Klebealben. Aber auf der Ausgabeseite zeichnet sich eine völlig andere Entwicklung ab: Die Fotos bleiben digital. Der Medienbruch löst sich auf.

www.flickr.com

Diese Entwicklung ist nur logisch, denn zur digitalen Kamera gehört fast symbiotisch der Computer. Erstmal verkabelt werden am Monitor die Fotos gesichtet und für die Reproduktion ausgewählt. Die entscheidende Weiterentwicklung ist die Veröffentlichung von Fotos im Internet. Online-Portale, die das anbieten, gibt es inzwischen dutzendweise. Kostenlos kann man Bilder hochladen, zu Alben zusammenstellen und festlegen, wer die Fotos anschauen darf. Einen entscheidenden Schritt weiter geht der 2002 von der kanadischen Firma Ludicorp gegründete Dienst Flickr (www.flickr.com). Mit inzwischen über zwei Millionen Nutzern weltweit und und fast 100 Millionen Bildern hat sich Flickr – zu deutsch etwa „Flackern“ – zur größten Foto-Community im Internet entwickelt.

Der Erfolg der Kommunikation

Der Erfolg von Flickr beruht zum einen auf der smarten Benutzeroberfläche, die ohne grafische Extravaganz auskommt und mit minimalen Englischkenntnissen bedient werden kann. Zum anderen gibt es viele kommunikative Funktionen, die aus einem einsamen Knipser das geachtete Mitglied einer weltweiten Gemeinschaft von Fotoenthusiasten machen. Wichtigste Flickr-Funktion ist die Möglichkeit, die eigenen Bilder mit Schlagworten zu versehen, englisch „tags“ genannt. Jedes Mitglied kann mit deren Hilfe Bilder von Nutzern aus aller Welt betrachten, die unter dem gleichen Schlagwort veröffentlicht wurden. Außerdem können fremdem Bildern Schlagworte hinzugefägt werden. Daraus entstehen dann ganz neue Bedeutungszusammenhänge.

Je nach Häufigkeit der verwendeten Schlagworte bildet Flickr anklickbare Begriffswolken oder auch Cluster von Schlagworten, die zusammenhängend verwendet werden. Damit nicht genug: Es wird angezeigt, wie oft die eigenen Bilder aufgerufen werden. Bilder fremder Fotografen können kommentiert werden. Es gibt Ranglisten mit den am häufigsten aufgerufenen oder kommentierten Fotos. Man kann frei thematische Gruppen bilden, zu denen jedes Mitglied Fotos beisteuern kann. Andere Mitglieder werden als bevorzugte Kontakte bestimmt, deren aktuelle Fotos beim Betreten der Webseite angezeigt werden, und vieles andere mehr. Der nahezu werbefreie Basisdienst ist selbstverständlich kostenlos und nur durch eine Beschränkung auf 200 neue Fotos pro Monat begrenzt. Wer mehr will, der abonniert den Pro-Service für 20 € pro Jahr. Und vergisst über dem Flackern der Welt seine Fotoalben in der Schublade…

 

[Der Artikel wurde im März 2006 in der Stuttgarter Zeitung veröffentlicht.]

Wo die schönen Bilder sind: www.flickr.com

Stuttgarter Weblogs 2006: Stimmen der Stadt

 

In Stuttgart werden täglich Weblogs mit Meldungen, Meinungen und Mitteilungen befüllt. Ein Rundgang durch die hiesige Blogosphäre.

Ein Weblog kann jeder mit ein paar Klicks beginnen. Vielleicht 2.000 Internetnutzer aus der Region Stuttgart haben dies bisher getan, denn Bloggen ist einfach. Bloggen kann jeder, der einen Internetanschluss hat und eine Datenmaske ausfüllen kann. Technische Kenntnisse braucht es kaum und Anbieter, bei denen man gratis ein Weblog anlegen kann, gibt es inzwischen dutzendweise. Die meisten dieser Blogs kranken allerdings an der Frage: Was schreiben? Denn bei den meisten Schreibern handelt es sich um junge Leute, die oft nicht mehr zu sagen haben, als dass sie sich gerade langweilen und nicht wissen, was sie schreiben sollen. Die allermeisten Blogs sind denn auch Totgeburten, werden nicht weitergeführt und stehen als Datenmüll im Internet. Wenn man diese Spreu vom Weizen getrennt hat, stößt man jedoch auf eine wachsende Zahl von Blogs, die von (halb-)professionellen Autoren geführt werden oder literarisch ambitioniert sind. Deren Lektüre lohnt dann wirklich, weil sie Perspektiven auf die Wirklichkeit eröffnen, die man sonst nicht so einfach erhält. Denn Blogs sind per definitionem radikal persönlich, was den entscheidenden Reiz ausmacht.

 Poodlepop (www.poodlepop.net) und Rabenwerk (www.rabenwerk.de) gehören in diese Kategorie. Zwar wird nicht jeden Tag veröffentlicht, aber beide Blogger haben sich inzwischen mit sehr lesbaren Texten in die erste Liga der deutschen Blog-Landschaft geschrieben. Unter dem Motto „Der weite Weg vom Hundersten ins Tausendste“ werden bei Poodlepop alltägliche Begebenheiten und Auffälligkeiten sarkastisch kommentiert. Oder eine Liste der „schlimmen Städte“ veröffentlicht (Sindelfingen, Böblingen, Singen). Stuttgart ist übrigens nicht dabei, wird ganz im Gegenteil im Kommentarteil sogar heftigst verteidigt. Nicht alles ganz so ernst gemeint, aber nett zu Lesen. Bei Rabenwerk hingegen geht es ernster zu, denn die Bloggerin schreibt anspruchsvolle Kurzgeschichten von einiger Qualität.

Eine neue Entwicklung sind Stadtblogs, also Angebote, die sich thematisch auf die Stadt konzentrieren, aus der die Autoren kommen. „In einer Stadt mit knapp 600.000 Einwohnern muss es doch tausende von verschiedenen Meinungen, Sichtweisen und Positionen geben. Die sollen sich äußern können.“ sagen Ralf Schmid und Diana Wagner von der Stuttgarter Agentur 6B Neue Medien und setzen auf das Mitteilungsbedürfnis normaler Großstadtbewohner. Deshalb haben sie vor ein paar Monaten www.stuttgart-blog.net gegründet. Sie verstehen sich dabei als Katalysatoren und wollen die notwendige Kontrolle bald möglichst wieder abgeben. Eigene Texte veröffentlichen kann hier jeder, der sich zuvor per E-Mail angemeldet hat. Etwa 20 Autoren schreiben inzwischen regelmäßig Beiträge oder Kommentare. Meist handelt es sich um Erlebnisse aus dem Alltag. Berichte über Probleme mit dem Kabelfernsehen stehen neben Weihnachtsfantasien, Gedichten, Ärger mit der Bahn oder Meinungen zum Tunneldeckel an der Kulturmeile – alles sehr persönlich, komplett unausgewogen und von unterschiedlicher Qualität. Die Kosten für die technische Infrastruktur halten sich in Grenzen, sodass 6B nicht daran denkt, Werbung auf die Seiten zu holen.

Das ist bei dem Blognetzwerk www.medienrauschen.com von Thomas Gigold aus Ludwigsburg anders. Gigold ist Netzpionier, Mitbegründer des renommierten Blogs www.medienrauschen.deund Betreiber mehrerer Newsblogs, z.B. von gadgetmania.de, bei dem eine handvoll Schreiber Nachrichten um merkwürdige technische Produktneuheiten kolportieren. Ganz aktuell hat Gigold ein neues Stadtblog ins Leben gerufen, das sich der Region Stuttgart widmet: www.stuttgart-leben.de. Schreiben wird ein fester Stamm professioneller Autoren über und aus der Region. Finanziert werden soll das Ganze durch Werbung. Oliver Gassner aus Vaihingen/Enz gehört zum Team und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Blogging-Phänomen. Neben seinem eigenen Blog – www.typo.twoday.net – betreibt er mit Schriftstellern und literarisch Interessierten aus Baden-Württemberg das litblog.literaturwelt.de. Neben Infos zu Lesungen und aus der Literaturszene sowie neuen Texten gibt es Rezensionen aktueller Publikationen. Sehr ernsthaft das Ganze wie z.B. auch das Blog des Stuttgarter Kulturjournalisten Jürgen Hartmann, der klassische Konzerte, Opern und Ausstellungen kommentiert kulturchronist.blogger.de).

 

Das ist bei den meisten privaten Stuttgarter Blogs ganz anders. Viel Ironie und Sinnfreies kann man hier lesen wie zum Beispiel bei monsterfrosch.blogg.de, in dem ein wöchentliches Foto den Inhalt eines öffentlichen Paperkorbs im Rosensteinpark dokumentiert – eine wunderbare Chronik der Alltagskultur von ganz unten. Auch bei Jan Theofel, IT-Unternehmer aus Zuffenhausen, ist alles sehr persönlich. In „Jans Küchenleben“ (www.theofel.de) kann man private Kochversuche verfolgen, mit Rezepten und Fotos der fertigen Gerichte. Aus seinem wechselvollen Studentenleben berichtet täglich Henrik Holzhausen (www.vcinfo.blog.de) inklusive Kneipentouren, WG-Leben und Lieblingsmusik. Das alles sind aber nur Beispiele aus der sehr vielfältigen Stuttgarter Blogosphäre. Wer mehr Stimmen der Stadt entdecken möchte, geht auf eine der Blogsuchmaschinen (z.B. bei Blogsuch von Googleoder Technorati), tippt “Stuttgart” ein und lässt sich überraschen.

[Der Artikel entstand Anfang Januar 2006 und wurde veröffentlicht in der „Stuttgarter Zeitung“ vom 25.01.2006]

 

Stuttgarter Weblogs 2006: Stimmen der Stadt